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Havaneser Rückruftraining: Die 5-Stufen-Methode für ein verlässliches Herkommen (auch bei Rehen in Sicht)

Fibi war mit 14 Monaten der Albtraum jedes Spaziergangs. Sie hörte den ganzen Tag auf ihren Namen, aber in dem Moment, in dem ein Reh am Waldrand stand, war sie weg.


Zwei Sekunden Sprint, dann nur noch ein Schwanz im Unterholz.


Heute, fünf Jahre später, kommt sie zurück, sogar mit Reh in Sichtweite. Dazwischen liegen keine Tricks, sondern ein strukturierter 5-Stufen-Plan, den wir Dir in diesem Guide weitergeben.


Wir sprechen aus eigener Erfahrung mit unserer Havaneser-Hündin Fibi und unserem Goldendoodle Krümel. Bei beiden hat die Methode funktioniert, obwohl Krümel der deutlich triebigere Hund ist.


Kurzantwort-Box:

Kurz & knapp: Havaneser sind trainierbar, neigen aber durch ihre soziale Prägung zu selektivem Gehör. Der Schlüssel ist ein sauber aufgebautes Rückrufsignal, das nie mit Strafe gekoppelt wird. Trainiere in fünf Stufen: (1) Zuhause ohne Ablenkung, (2) Garten mit leichter Ablenkung, (3) ruhiger Feldweg an Schleppleine, (4) Hundewiese mittlere Ablenkung, (5) Wald mit Wild. Pro Stufe mindestens 50 erfolgreiche Abrufe, bevor Du weitergehst. Rechne mit 8 bis 16 Wochen.

Inhaltsverzeichnis:



Warum Havaneser einen besonderen Rückrufzugang brauchen


Havaneser sind kleine, soziale und intelligente Hunde. Das ist Fluch und Segen zugleich. Sie lernen Kommandos schnell, aber sie lernen genauso schnell, dass Rückruf oft bedeutet:


Spaß ist vorbei, ab an die Leine, nach Hause. Wenn Du zehn Mal rufst und neun Mal heißt das Ende vom Spiel, wirst Du die Quote kennenlernen, die daraus folgt. Der Hund kommt bei neun von zehn Rufen nicht.


Kleine Rassen werden zusätzlich oft unterfordert trainiert. Weil sie niedlich sind und schnell am Bein hängen, verzichten viele Halter auf richtige Rückruf-Sessions. Im Ernstfall, wenn die Haustür aufsteht oder der Hund im Park jemandem hinterherläuft, fehlt dann das verlässliche Kommando.


Die gute Nachricht: Havaneser sind extrem futter- und kontaktmotiviert. Wenn Du das Rückrufsignal konsequent positiv auflädst, bekommst Du einen der zuverlässigsten kleinen Hunde, die es gibt.


Die häufigsten Gründe, warum Dein Havaneser nicht kommt


Bevor wir ins Training einsteigen, ein ehrlicher Blick auf die Ursachen. Die folgenden sieben Punkte sind in über 90 Prozent der Fälle der Grund für selektives Gehör.


  1. Der Rückruf wurde mit Ende vom Spaß verknüpft. Jedes Mal Hier = Leine = Heimweg.

  2. Der Hund wurde gescholten, als er endlich kam. Er lernt: Kommen ist riskant.

  3. Das Kommando wurde abgenutzt. Zwanzigmal Fibi! ohne dass sie reagiert, und das Wort verliert seine Bedeutung.

  4. Die Belohnung war unattraktiv. Trockenfutter-Brösel gegen Wildgeruch ist kein fairer Deal.

  5. Zu früh in schwierige Umgebungen gegangen. Direkt vom Flur in den Hundewald.

  6. Zu wenig Alltagsbestätigung. Rückruf wird nur beim Training geübt, nicht im Alltag belohnt.

  7. Genetische Triebanlage. Bei manchen Havanesern ist der Jagdtrieb stärker ausgeprägt als gedacht. Dann braucht es längeres Training und Schleppleine.


Das richtige Signal: Stimme, Pfeife oder Clicker?


Viele Halter starten mit "Hier" oder dem Namen. Beides funktioniert, hat aber zwei Schwächen: erstens ist Dein Name-Reflex nicht identisch unter Stress (Tonlage, Lautstärke verändern sich), zweitens hast Du den Namen bereits Hunderte Male abgenutzt.


Der Goldstandard für den Rückruf ist die Hundepfeife. Sie klingt immer gleich, trägt weit, ist wetterunabhängig und Dein Hund hat keine Vorprägung darauf.

Signal

Pro

Contra

Empfohlen für

Name + "Hier" (Stimme)

Jederzeit verfügbar, keine Ausrüstung

Abgenutzt, emotional gefärbt

Alltagssituationen, leichter Rückruf

Konstant, reicht weit, neutral

Man muss sie dabeihaben

Mittlere bis schwere Ablenkung, Ernstfall

Perfekt für Markersignal, nicht für Rückruf

Zu leise für Distanz

Nur als Marker im Nahbereich

Unsere Empfehlung: Bau einen Zweispeicher-Rückruf auf. Stimme für Nahbereich und Alltag, Pfeife für Distanz und Notfall. Beide lädst Du separat positiv auf.


Die 5-Stufen-Methode im Detail


Jede Stufe wird mindestens 50 Mal erfolgreich durchlaufen, bevor die nächste startet. "Erfolgreich" heißt: Hund kommt auf das erste Signal ohne Zögern. Wer schneller vorgeht, bezahlt später mit Rückschlägen.


Stufe 1: Wohnzimmer ohne Ablenkung (Woche 1 bis 2)

Setting: Flur oder Wohnzimmer, Tür geschlossen, kein Spielzeug in Sicht. Methode: Kurzer, hoher Pfiff (zwei schnelle Stöße), dann Leckerli aus der Hand. Der Pfiff kommt vor dem Leckerli, nicht gleichzeitig. Ziel: Pfiff = Leckerli. Fünf Sessions am Tag mit je 10 Wiederholungen.

Wichtig: Du rufst den Hund nicht. Er lernt erst mal nur die Assoziation. Wenn er nach 3 Tagen hektisch den Kopf hebt, sobald er den Pfiff hört, ist die Konditionierung da.


Stufe 2: Garten oder Flur mit leichter Ablenkung (Woche 2 bis 3)

Setting: Garten, ruhige Wohnstraße, Treppenhaus. Methode: Hund ist 3 bis 5 Meter entfernt, Du pfeifst, er kommt, Leckerli plus Lob. Distanz bleibt niedrig, Ablenkung steigt ganz langsam. Ziel: 50 erfolgreiche Abrufe ohne Ablenkung auf mittlerer Distanz.

Falls er nicht kommt: Zurück zu Stufe 1. Nicht wiederholt pfeifen (sonst nutzt Du das Signal ab).


Stufe 3: Ruhiger Feldweg an Schleppleine (Woche 3 bis 5)

Setting: Feldweg, Park-Randbereich, sehr frühe Morgenstunde. Methode: 5 bis 10 Meter Schleppleine am Geschirr (niemals am Halsband). Hund darf schnüffeln, Du pfeifst in unregelmäßigen Abständen, Hund kommt, Jackpot-Belohnung (Wurst, Leberwurst, Käse). Ziel: 50 Abrufe bei leichter Ablenkung (Vögel, Jogger in Distanz).

Jackpot-Regel: Je schwieriger die Situation, desto besser das Leckerli. Trockenfutter ist hier zu schwach.


Stufe 4: Hundewiese oder Feld mittlere Ablenkung (Woche 5 bis 9)

Setting: Hundewiese mit 1 bis 2 anderen Hunden, Feldweg mit Hasen im Feld. Methode: Schleppleine bleibt dran, Distanz auf 10 Meter erhöhen. Hund darf spielen, Du pfeifst zwischendrin und lässt ihn nach der Belohnung sofort wieder los. Zurück zum Spiel nach Pfiff ist die stärkste Belohnung. Ziel: 50 erfolgreiche Abrufe bei Ablenkung.

Kritischer Punkt: Wenn Du pfeifst, muss er kommen. Wenn nicht, gehst Du still hin, führst ihn zurück zum Ausgangspunkt, gibst kein Leckerli, pausierst 30 Sekunden, probierst es leichter nochmal. Kein Schimpfen.


Stufe 5: Wald, Rehgebiet, voller Hundepark (Woche 9 bis 16)

Setting: Echte Stresstests. Wildgebiet, Fuchsspuren, viele Hunde, Jogger, Fahrräder. Methode: Schleppleine zunächst dran, später als Schlepper ohne Bodenkontakt, dann komplett ohne. Immer Jackpot-Belohnungen und Loslassen danach. Ziel: 50 bis 100 Erfolge, dann ist der Rückruf für den Alltag belastbar.

Wichtig: Auch nach Stufe 5 trainierst Du ein Leben lang mit. Rückruf ist wie Muskeltraining, ohne Fortführung baut er ab.


Schleppleine richtig einsetzen (ohne den Hund zu frustrieren)


Die Schleppleine ist das wichtigste Sicherheitsnetz im Rückrufaufbau. Aber sie ist auch die Quelle für die meisten Trainingsfehler.


Richtig:


  • 5 bis 10 Meter Länge für kleine Hunde (Havaneser: 5 m reichen oft)

  • Beta-Biothane oder Fettleder, nicht Baumwolle (verfilzt nass)

  • Immer am Y-Geschirr, niemals am Halsband (Hals-Ruck kann zu Verletzungen führen)

  • Pfoten-Kontroll-Check: bloße Hände oder leichte Gartenhandschuhe, niemals Lederhandschuhe (Brandgefahr bei schnellem Durchrutschen)


Falsch:


  • Am Hund ziehen, wenn er nicht kommt. Die Leine ist Sicherheit, nicht Lenkung.

  • Hund in die Leine laufen lassen (Nylon-Leinen können schneiden).

  • Leine über den Boden schleifen lassen in dichtem Gestrüpp (hängen bleibt garantiert).


Empfohlene Modelle:



Der Notfall-Rückruf (separates Signal für Ernstfälle)


Der normale Rückruf ist für den Alltag. Für den echten Notfall (Auto, Wildwechsel, Gefahr) brauchst Du ein zweites Signal, das ausschließlich mit dem größten Jackpot verknüpft wird.


Aufbau:


  • Wähl ein ungewöhnliches Signal, z. B. zwei lange Pfiffe hintereinander oder ein bestimmtes Wort wie "Blitz".

  • Verwende das Signal nur 2 bis 3 Mal pro Woche.

  • Jedes Mal folgt der absolute Jackpot: ein halbes Würstchen, Leberwurst pur, das Lieblingsquietschspielzeug.

  • Niemals benutzen, um nach Hause zu gehen oder für irgendetwas Uncooles.


Ergebnis: Wenn Du einmal wirklich in Panik bist und pfeifst, kommt der Hund in vollem Tempo, weil er gelernt hat: Dieses Signal bedeutet immer das Beste.

Fibi bekommt das Notfall-Signal vielleicht 10 Mal im Jahr. Aber wenn es kommt, kommt sie.


Häufige Trainingsfehler, die den Rückruf zerstören


  1. Den Hund nach dem Abruf anleinen und heimgehen. Wechsel ab: 80 Prozent der Rückrufe endeten mit "wieder loslaufen", nur 20 mit Anleinen.

  2. Das Signal wiederholen. Einmal pfeifen, nicht pfeifen und rufen und pfeifen.

  3. Den Hund für langsames Kommen schelten. Jedes Kommen ist gut. Belohn auch den Trödler.

  4. Die Stimme heben, wenn der Hund nicht kommt. Lauter Ruf = mehr Stress = schlechterer Abruf.

  5. Mit Trockenfutter in schweren Situationen belohnen. Bei Stufe 4 und 5 brauchst Du Sahne-Leckerlis.

  6. Zu große Sprünge zwischen Stufen. Wer Stufe 3 überspringt, zahlt mit Rückschritten.

  7. Nicht im Alltag üben. Täglich 5 Mini-Rückrufe beim Gassi sind mehr wert als eine 30-Minuten-Session am Sonntag.


Altersspezifische Besonderheiten: Welpe, Pubertät, Senior

Alter

Besonderheit

Trainingsschwerpunkt

8 bis 16 Wochen (Welpe)

Von Natur aus Mama-orientiert, kommt oft von allein

Positive Ladung ohne Druck, Stufe 1 und 2

4 bis 8 Monate (Junghund)

Neugier steigt, Aufmerksamkeit sinkt

Stufe 3, Schleppleine Standard

8 bis 18 Monate (Pubertät)

Selektives Gehör, Trieb erwacht

Stufe 4 und 5 mit extrem hohen Belohnungen

2 bis 8 Jahre (Erwachsener)

Abgesicherter Rückruf, Festigung

Wöchentliche Mini-Sessions, Notfall-Signal pflegen

8 bis 12 Jahre (Senior)

Hörvermögen nimmt ab

Sichtsignale zusätzlich (Armwink), Pfeife lauter wählen

Zur Pubertät (der harte Teil): Zwischen Monat 8 und 14 können selbst perfekt trainierte Havaneser plötzlich "vergessen", wie Rückruf funktioniert. Das ist neurologisch normal. Zurück zu Stufe 2 oder 3, Schleppleine dran, konsequent bleiben. Nach ca. 3 Monaten kommt der Rückruf zurück, oft besser als vorher.


Zwischen den Stufen: So behältst Du die Motivation hoch


Training ist nur so gut wie seine Frequenz. Fünf Minuten täglich schlagen 30 Minuten einmal die Woche.


Unser Alltagsritual für Fibi und Krümel:


  • Morgens beim ersten Gassi: zwei Mini-Rückrufe mit Leckerli

  • Mittags: ein Rückruf vor der Fütterung

  • Abends: ein Notfall-Signal-Check mit Jackpot

  • Wöchentlich: eine 15-Minuten-Einheit in neuer Umgebung


Abwechslung der Belohnungen verhindert Sättigung: mal Leckerli, mal Lob, mal ein Ball geworfen, mal einfach weiterrennen dürfen.


Was tun, wenn gar nichts mehr geht? (Deeskalation)


Wenn Dein Havaneser seit Wochen nicht zuverlässig kommt, liegt es meistens an einem dieser Punkte:


  1. Reset auf Stufe 1. Ganz zurück zum Wohnzimmer, 2 Wochen täglich 5 Minuten, nur Konditionierung.

  2. Wechsel das Signal. Wenn "Hier" verbrannt ist, nimm einen neuen Pfiff mit neuer Geschichte.

  3. Hol einen Trainer dazu. Bei extremem Jagdtrieb oder Ängstlichkeit kann eine einzelne Trainingsstunde viel lösen.

  4. Überprüf die Gesundheit. Schwerhörigkeit bei älteren Havanesern wird oft als Ungehorsam fehlinterpretiert. Ohrencheck beim Tierarzt lohnt sich.

  5. Reduziere Freilauf temporär. Lieber 4 Wochen konsequent an der Schleppleine als 4 Monate mit halben Erfolgen.


Häufige Fragen (FAQ)


1. Mein Havaneser kommt zuhause sofort, draußen nie. Woran liegt das?


Du hast das Signal nur im Wohnzimmer konditioniert und bist dann direkt in eine schwierige Umgebung gewechselt. Der Hund hat gelernt: "Pfeife im Wohnzimmer" ist ein Kommando, "Pfeife draußen" ist ein unbekanntes Geräusch. Starte draußen mit Stufe 2 neu, mit Schleppleine.


2. Ab welchem Alter kann ich mit dem Rückruftraining beginnen?


Ab der 8. Lebenswoche, also ab dem Moment, in dem der Welpe bei Euch einzieht. Stufe 1 zuhause eignet sich perfekt für die Welpenzeit. Positive Erfahrungen bis zur 16. Woche sind goldwert, weil das Gehirn dann besonders aufnahmefähig ist.


3. Wie oft sollte ich Rückruf üben?


Täglich, aber in Mini-Dosen. Fünf Minuten täglich mit drei bis fünf Wiederholungen reichen. Kurze häufige Sessions schlagen lange seltene. Pausen von mehr als drei Tagen führen zu spürbaren Rückschritten.


4. Meine Havaneser-Hündin ist kastriert und triebärmer geworden. Muss ich trotzdem trainieren?


Ja, unbedingt. Kastration senkt den Trieb, ersetzt aber keinen Rückruf. Und auch kastrierte Hündinnen reagieren auf Rehe, Hasen und Katzen. Rückruf ist Grundausstattung, unabhängig vom Hormonstatus.


5. Wie lange dauert der Aufbau eines zuverlässigen Rückrufs?


Rechne mit 8 bis 16 Wochen für die fünf Stufen, wenn Du konsequent täglich übst. Ein Leben lang bleibt ein Mini-Aufwand, damit der Rückruf erhalten bleibt. Wer das Training nach drei Monaten einstellt, verliert in einem halben Jahr wieder den größten Teil.


6. Was ist der Unterschied zwischen normalem Rückruf und Notfall-Rückruf?


Der normale Rückruf ist alltagstauglich, er wird oft eingesetzt und mit normalen Belohnungen bestätigt. Der Notfall-Rückruf ist ein separates Signal, wird nur selten verwendet und immer mit dem allerbesten Jackpot belohnt. So bleibt er auch in Extremsituationen zuverlässig.


7. Kann ich meinem Havaneser den Rückruf über ein Clickertraining beibringen?


Der Clicker ist ein Markersignal, das Verhalten bestätigt. Für Rückruf ist er im Nahbereich nutzbar, für Distanz zu leise. Besser: Pfeife als Rückrufsignal, Clicker optional im Nahbereich zum Shaping einzelner Abläufe.


8. Mein Havaneser rennt anderen Hunden hinterher. Wie stoppe ich das?


Das ist ein eigenes Thema: Begegnungsmanagement plus Rückruf. Arbeite zuerst an der Frustrationstoleranz auf Sicht anderer Hunde (Abstand halten, belohnen, wenn er bei Dir bleibt). Dann kombinier mit Rückruf auf Entfernung. Ohne Schleppleine kein Freilauf.


9. Ist ein Havaneser schwerer zu trainieren als andere kleine Hunde?


Nein, im Gegenteil. Havaneser sind kooperativ und gelehrig. Im direkten Vergleich mit Terrier oder Jagdhunden ist der Rückruf beim Havaneser oft leichter aufzubauen. Das Hauptproblem sind nicht die Hunde, sondern zu weiche Trainingskonsequenz vieler Halter.


10. Darf ich meinen Havaneser für Nichtkommen bestrafen?


Nein, niemals. Jede Strafe nach dem Abruf sagt dem Hund: Kommen war ein Fehler. Selbst wenn Du genervt bist, lob ihn, wenn er endlich da ist. Korrigieren kannst Du höchstens die Situation davor (Schleppleine, vorbeugen, leichter üben).


11. Wie verhalte ich mich, wenn mein Havaneser gerade nicht kommt und wegläuft?


Nicht hinterherrennen (verstärkt das Weglaufen als Spiel). Ruhig bleiben, in die Gegenrichtung laufen, dabei rufen oder pfeifen. Viele Hunde kommen sofort, sobald der Mensch verschwindet. Falls er wirklich außer Sicht ist: Standort halten, pfeifen, warten.


12. Welche Leckerli funktionieren am besten für Rückruftraining?


Weich, riechend, klein. Trockenfutter reicht für Stufe 1, ab Stufe 3 brauchst Du Wurst, Leberwurst, Käsewürfel oder gefriergetrocknete Leber. Die Regel: je härter die Situation, desto besser das Leckerli. Jackpot-Belohnungen für schwierige Rückrufe dürfen extravagant sein.


13. Mein Havaneser hat Angst vor der Pfeife. Was tun?


Leiser pfeifen am Anfang (Hand locker halbgeschlossen um die Pfeife), Abstand vergrößern, Pfiff von Leckerli gefolgt. Nach wenigen Tagen ist die Angst meist weg. Bei extremer Geräuschempfindlichkeit ist ein leises Signalwort oder ein Klingelton auf dem Handy die Alternative.


14. Kann ich den Rückruf auch ohne Schleppleine trainieren?


In absolut sicherer Umgebung (eingezäunter Garten, Halle) ja. Sobald wildfrei begrenzte Außenflächen nicht verfügbar sind, ist die Schleppleine Pflicht. Ohne sie trainierst Du immer nur so gut, wie der Hund freiwillig will, das reicht selten für den Ernstfall.


15. Hilft eine Hundeschule beim Rückruftraining?


Ja, sehr. Gute Hundeschulen bieten Rückrufkurse mit Gruppendynamik, Ablenkung und kontrollierten Situationen. Achte darauf, dass positive Verstärkung Grundlage ist. Meide Schulen, die mit Strafreizen (Sprühhalsbänder, Zisch-Geräusche) arbeiten. Teletakt ist in Deutschland verboten.


Abschluss-Absatz:


Rückruftraining ist kein Trick, sondern ein Projekt. Acht bis sechzehn Wochen Struktur, dann hast Du einen Havaneser, der auch mit Reh in Sicht zurückkommt. Das spart Nerven, schützt Dein Leben und das Deines Hundes, und macht den Alltag spürbar entspannter. Wie immer gilt: Konsequenz schlägt Talent. Fang heute mit Stufe 1 an, nicht morgen.


Disclaimer:


Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Hundeschulung. Bei Angsthunden, Traumata oder extremem Jagdtrieb empfehle ich eine persönliche Trainingsbegleitung durch eine zertifizierte Hundetrainerin oder einen Hundetrainer (z. B. IBH-Mitglied).

 
 
 

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