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Havaneser Farben: Alle Fellfarben, die Genetik dahinter – und warum sie sich ändern

Das Wichtigste auf einen Blick


Der Havaneser ist eine der buntesten kleinen Hunderassen überhaupt: Der FCI-Rassestandard (Nr. 250) erlaubt alle Farben – von Reinweiß über Creme, Champagne, Gold und Sable bis Schokobraun, Schwarz, Silber und mehrfarbige Schecken. Das Besondere: Die Fellfarbe ist nicht endgültig. Über mindestens zehn Gene gesteuert, hellen viele Havaneser im Laufe der ersten ein bis zwei Jahre deutlich auf – besonders Sable-Töne. Ein dunkler Welpe kann als erwachsener Hund fast hell sein. Genau das ist auch bei unserer Fibi passiert: Ihr als Welpe noch grauer Kopf ist heute fast weiß. Die Farbe sagt übrigens nichts über Gesundheit oder Charakter aus – und keine Farbe ist „edler" oder einen höheren Preis wert.


Inhaltsverzeichnis



1. Welche Fellfarben sind beim Havaneser erlaubt?


Kurz und klar: fast alle.


Der Havaneser gehört zu den wenigen Rassen, deren Standard praktisch keine Farbe ausschließt. Im FCI-Standard Nr. 250 sind alle Farben und Schattierungen zugelassen – einfarbig wie mehrfarbig, von Reinweiß bis Schwarz. Es gibt keine „falsche" Havaneser-Farbe.


Diese Offenheit ist auch der Grund, warum kein Wurf wie der andere aussieht. Schon innerhalb eines einzigen Wurfs können weiße, goldene, sable- und schwarz-weiße Welpen nebeneinanderliegen. Genau diese Vielfalt hat damals auch Theresa bei der Suche überrascht.


2. Die wichtigsten Havaneser-Farben im Detail


Hier die gängigsten Farben mit ihren Besonderheiten, inklusive Nasenpigment, weil das ein verlässliches Erkennungsmerkmal ist:

Farbe

Aussehen

Nase/Pigment

Besonderheit

Weiß

reinweiß bis cremeweiß

schwarz

zeigt Tränenflecken & Schmutz am stärksten

Creme / Champagne

hellbeige, zart

schwarz

sehr häufig, oft Aufhellung aus Gold/Sable

Gold / Fawn

warmes Goldbeige bis hellbraun

schwarz

hellt mit dem Alter oft auf

Sable (Zobel)

Haare mit dunklen Spitzen auf hellerem Grund

schwarz

verändert sich am stärksten (s. u.)

Rot / Rotbraun

satter rötlicher Ton

schwarz

seltener, oft ebenfalls aufhellend

Schokobraun (Chocolate)

durchgehend braun

braun/leberfarben

braune Nase ist das Erkennungszeichen

Schwarz

tiefschwarz

schwarz

kann durch „Silbern" später grau werden

Schwarz-Loh (Black & Tan)

schwarz mit lohfarbenen Abzeichen

schwarz

Abzeichen über Augen, Schnauze, Beinen

Silber / Blau

aufgehelltes/verdünntes Schwarz

grau/schwarz

entsteht oft durch Silbern oder Verdünnung

Brindle (gestromt)

dunkle Streifen auf hellem Grund

schwarz

„Tiger-Muster", eher selten

Parti / Schecke

zweifarbig mit viel Weiß

schwarz

z. B. weiß-gold, weiß-schwarz

Tricolor / Irish Pied

drei Farben bzw. typische Weißzeichnung

schwarz

mehrfarbige Muster

Ein ehrlicher Hinweis vorab: „Merle" (gefleckt-marmoriert) ist keine natürliche Havaneser-Farbe.

Taucht sie auf, steckt fast immer eine Einkreuzung anderer Rassen dahinter, und das Merle-Gen bringt gesundheitliche Risiken mit. Finger weg von „Merle-Havanesern".


3. Das Havaneser-Geheimnis: warum sich die Farbe ändert


Das ist der Punkt, der den Havaneser farblich so einzigartig macht und den die meisten erst nach dem Welpenkauf richtig verstehen: Die Geburtsfarbe ist selten die Endfarbe.


Viele Havaneser kommen dunkler zur Welt und hellen mit dem Erwachsenwerden auf. Ein tief wirkender Welpe kann als erwachsener Hund deutlich heller, fast cremefarben sein. Manche bekommen graue Strähnen, andere einen helleren Kopf oder Rücken. Züchter nennen den Havaneser deshalb halb im Scherz eine „Wundertüte": Was du im Welpenkörbchen siehst, ist eine Momentaufnahme, kein fertiges Bild.


Am stärksten betrifft das die Sable-Hunde. Genetisch sind Sable-Havaneser eigentlich „Schwarz-Anlagen", bei denen das schwarze Deckhaar mit der Zeit durchlässig wird und das darunterliegende hellere Muster durchscheinen lässt – das Ergebnis ist ein bräunlich wirkender Hund mit schwarzer Nase, der über Monate immer heller wird.


4. Die Genetik – einfach erklärt


Hinter der Farbe stecken mindestens zehn Gene, die zusammenwirken. Du musst kein Genetiker sein – diese fünf „Schalter" erklären 90 % dessen, was du im Alltag siehst:


  • Hell oder dunkel (E-Locus): Entscheidet, ob ein Hund überhaupt schwarzes Pigment ins Fell bekommt. Bei „ee" wird das Schwarz ausgeschaltet – heraus kommen Creme-, Gold- und Rottöne (mit weiterhin schwarzer Nase).

  • Sable-Muster (A-Locus): Erzeugt das Zobelmuster mit dunklen Haarspitzen – die Variante, die später am stärksten aufhellt.

  • Braun statt Schwarz (B-Locus): „bb" verwandelt alles Schwarze in Schokobraun – inklusive brauner Nase. Daran erkennst du einen echten Chocolate-Havaneser.

  • Silbern / progressives Aufhellen: Lässt anfangs schwarze oder dunkle Hunde über Jahre grau/silbern werden. Das ist der Grund für Fibis grauen Rückenstreifen.

  • Weißzeichnung (Schecke/Parti): Bestimmt, wie viel Weiß dazukommt – von kleinen Abzeichen bis zur klassischen zweifarbigen Schecke.


Weil mehrere dieser Schalter gleichzeitig wirken – und sich der Aufhell-Effekt erst mit der Zeit zeigt ist die Farbentwicklung beim Havaneser kaum exakt vorherzusagen. Genau das macht sie so spannend.


5. Wann und wie stark ändert sich die Farbe?


Grobe Orientierung aus Erfahrung und Züchterangaben:


  • Welpe (0–4 Monate): Geburtsfarbe, oft am dunkelsten.

  • 4–12 Monate: stärkste Veränderung – Aufhellen, erste graue/helle Partien, beim Sable der deutlichste Wandel.

  • 1–2 Jahre: die Farbe „setzt" sich weitgehend.

  • Ab 2 Jahren: meist nur noch leichte Veränderungen; manche Hunde silbern über die Jahre weiter aus.


Welche Farben ändern sich am meisten? Sable und Gold hellen am stärksten auf. Reinweiß bleibt naturgemäß stabil. Schwarz kann über Jahre silbern. Chocolate bleibt braun, kann aber heller werden.


6. Fibis Farbentwicklung: vom grauen Kopf zu fast weiß


Bei uns kann man den Farbwandel direkt sehen.


  1. Fibi als Welpe
    Fibi als Welpe
    Fibi ausgewachsen
    Fibi ausgewachsen

Theresa hat sich damals für die kleine Maddy, heute Fibi entschieden.


Ausschlaggebend war nicht die Farbe, sondern ihr Wesen (und ehrlich gesagt: Sie war als letzter Welpe übrig). Der Wunsch war ein heller Welpe – Weiß, Beige oder Hellbraun, kein Schwarz oder Braun.


Was dann passierte, ist ein Paradebeispiel: Ihr Kopf war als Welpe noch grau – heute ist er, bis auf die Ohren, fast vollständig weiß. Zusätzlich hat sie über die Zeit einen grauen Streifen auf dem Rücken bekommen (auf dem zweiten Foto gut zu sehen). Genau dieses „Silbern" beschreibt der Genetik-Abschnitt oben.


Unser Learning: Die Farbe ist ein schönes Detail, aber sie ist nur die Verpackung. Charakter und Persönlichkeit machen den Hund aus.


7. Welche Farbe soll ich wählen? (und wovor du dich hüten solltest)


Unsere ehrliche Empfehlung: Wähle den Welpen nach Wesen und Gesundheit, nicht nach Farbe. Die Farbe verändert sich ohnehin, und sie hat null Einfluss darauf, was für ein Hund daraus wird.


Drei Dinge, die du wissen solltest, bevor du auf eine „Wunschfarbe" gehst:


  • Keine Farbe ist „selten" genug für einen Aufpreis. Da der Standard alle Farben erlaubt, ist „seltene Rarität, deshalb teurer" ein Verkaufsargument, kein Qualitätsmerkmal. Seriöse Züchter machen den Preis an Gesundheit und Aufzucht fest, nicht an der Fellfarbe.

  • Vorsicht bei „Modefarben" und Merle. Wer gezielt auf extreme Farben oder „Merle-Havaneser" züchtet, stellt Optik über Gesundheit. Das ist ein Warnsignal.

  • Du kaufst die Welpenfarbe, nicht die Endfarbe. Wenn dir die endgültige Optik wichtig ist, frag den Züchter, wie die Elterntiere und ältere Wurfgeschwister sich farblich entwickelt haben – das ist der beste Anhaltspunkt.


Worauf es beim Welpenkauf wirklich ankommt, haben wir im Beitrag Havaneser Welpe kaufen: seriösen Züchter erkennen zusammengefasst. Und wie der Havaneser charakterlich tickt, liest du im Havaneser Charakter-Guide.

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8. Fellfarbe & Alltag: Pflege, Tränenflecken, Sonne


Die Farbe ist nicht nur Optik – sie hat ein paar praktische Folgen im Alltag:


  • Helle Havaneser (weiß, creme) zeigen Schmutz und vor allem Tränenflecken am deutlichsten. Für strahlend weißes Fell hilft ein mildes Weiß-Shampoo für Hunde*, und für den Augenbereich nutzen wir täglich Augenpflegetücher*. Wie wir Tränenflecken grundsätzlich in den Griff bekommen, steht im Tränenflecken-Guide.

  • Dunkle Havaneser (schwarz, braun) können in praller Sonne mit der Zeit ausbleichen – ein rötlicher Schimmer im schwarzen Fell ist meist Sonnen-, kein Pflegefehler.

  • Verfilzen tut das Fell unabhängig von der Farbe – das lange, unterwolllose Haar braucht bei jeder Farbe dieselbe Routine. Wir arbeiten mit einer weichen Slickerbürste*. Die komplette Routine steht im Fellpflege-Komplett-Guide, Besonderheiten je nach hellem/dunklem Fell im Beitrag Havaneser Fellfarbe pflegen.


9. Häufige Fragen (FAQ)


Welche Farben gibt es beim Havaneser?


Praktisch alle: Weiß, Creme, Champagne, Gold/Fawn, Sable (Zobel), Rot, Schokobraun, Schwarz, Schwarz-Loh, Silber/Blau, Brindle sowie mehrfarbige Schecken (Parti, Tricolor). Der FCI-Standard Nr. 250 schließt keine Farbe aus.


Ändert ein Havaneser wirklich seine Fellfarbe?


Ja, das ist rassetypisch. Viele Havaneser kommen dunkler zur Welt und hellen in den ersten ein bis zwei Lebensjahren auf. Am stärksten betrifft das Sable- und Goldtöne. Reinweiß bleibt stabil, Schwarz kann über die Jahre silbern werden.


Welche Havaneser-Farbe ist die seltenste?


Echtes durchgehendes Schokobraun (mit brauner Nase) und sauberes Brindle gelten als seltener. „Selten" rechtfertigt aber keinen höheren Preis – alle Farben sind standardkonform und gleich wertvoll.


Sind manche Farben teurer?


Sie sollten es nicht sein. Wenn ein Züchter für eine „seltene" Farbe einen Aufpreis verlangt, ist das ein Verkaufsargument, kein Qualitätsmerkmal. Der Preis sollte sich an Gesundheitstests, Aufzucht und Sozialisierung orientieren.


Was ist ein Sable-Havaneser?


Ein Hund mit Zobelmuster: dunkle Haarspitzen auf hellerem Grund, mit schwarzer Nase. Sable-Havaneser hellen typischerweise stark auf, weil das dunkle Deckhaar mit der Zeit durchlässig wird.


Woran erkenne ich einen echten Chocolate-Havaneser?


An der braunen Nase und den braunen Lefzen/Lidrändern. Ist die Nase schwarz, ist der Hund nicht „chocolate", egal wie braun das Fell wirkt.


Beeinflusst die Fellfarbe Gesundheit oder Charakter?


Nein. Bei der Standardfarben-Vielfalt des Havanesers hat die Farbe keinen Einfluss auf Wesen oder Gesundheit. Eine Ausnahme sind unseriös gezüchtete Extremfarben wie Merle – die nicht zur Rasse gehören und Risiken mitbringen.


Gibt es Merle-Havaneser?


Nein, nicht als reinrassige Havaneser. Merle kommt in der Rasse natürlich nicht vor; taucht es auf, deutet das auf eine Einkreuzung hin. Wegen der gesundheitlichen Risiken des Merle-Gens raten wir davon ab.


Welche Farbe hatte Fibi – und welche hat sie heute?


Fibi war als Welpe heller mit grauem Kopf. Heute ist ihr Kopf (bis auf die Ohren) fast weiß, dazu hat sie einen grauen Rückenstreifen entwickelt – ein typisches Beispiel für den Havaneser-Farbwandel.


10. Fazit


Der Havaneser ist ein kleiner Farbkünstler: Der Standard erlaubt alles, kein Wurf gleicht dem anderen, und die Farbe ist nie ganz endgültig. Genau das macht jeden Hund einzigartig – aber es heißt auch: Verlieb dich nicht in eine Welpenfarbe, sondern in den Hund. Die Farbe verändert sich, der Charakter bleibt.


Wenn du also vor der Wahl stehst: Achte auf Gesundheit, Aufzucht und Wesen. Die Fellfarbe darfst du als schöne Überraschung nehmen, die dein Havaneser dir über die nächsten zwei Jahre nach und nach zeigt – so wie Fibi uns ihren weißen Kopf und ihren silbernen Rückenstreifen geschenkt hat.


Habt ihr den Farbwandel bei eurem Havaneser auch erlebt? Erzählt es uns in den Kommentaren – wir sind immer neugierig auf eure „Vorher/Nachher"-Geschichten.


Quellen


  • FCI-Rassestandard Nr. 250 (Bichon Havanais) – zugelassene Farben

  • Grundlagen der Fellfarben-Genetik beim Hund (E-, A-, B-Locus, progressives Silbern, Weißscheckung)

  • Erfahrungswerte aus Havaneser-Zucht zur Farbentwicklung (Sable-Aufhellung)


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Dieser Artikel gibt unsere Erfahrung und recherchierte Grundlagen wieder und ersetzt keine genetische Zuchtberatung.

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