Knall, Bumm und Donner – So bereitest du deinen Havaneser auf Silvester & Gewitter vor
- fibisadventures
- 19. Nov.
- 4 Min. Lesezeit
Wer einen Havaneser an seiner Seite hat, weiß: Diese kleinen Hunde haben große Herzen – und genauso große Ohren.
Während wir vielleicht fasziniert an der Fensterscheibe stehen und die bunten Raketen am Himmel bestaunen, bedeutet das Spektakel für viele Hunde puren Stress. Besonders sensible Rassen wie der Havaneser reagieren auf laute, plötzliche Geräusche häufig mit Angst.
Das Gleiche gilt für Gewitter, die sich im Sommer unvermittelt über das Land ergießen. Wir haben in den letzten Jahren gelernt, wie sehr diese Situationen unseren Havaneser belasten können – und wie wichtig es ist, ihn behutsam darauf vorzubereiten.
In diesem Beitrag möchten wir ausführlich teilen, was uns geholfen hat, welche Fehler wir am Anfang gemacht haben und welche Strategien sich wirklich bewährt haben.
Warum Havaneser so sensibel auf Geräusche reagieren
Der Havaneser gehört zu den Kleinhunderassen, die extrem menschenbezogen sind. Ihr Wesen ist aufmerksam, neugierig und sehr sensibel. Genau das macht sie zu wunderbaren Familienhunden – gleichzeitig aber auch anfällig für Stresssituationen.
Laute Geräusche wie Feuerwerk oder Donner wirken für Hunde anders als für uns Menschen: Sie sind näher, intensiver und oft völlig unerklärlich. Ein Havaneser weiß nicht, dass Silvester ein Fest ist oder dass ein Gewitter bald vorüberzieht. Für ihn sind es plötzliche, nicht einzuordnende Reize, die seinen Instinkt zur Flucht oder zum Verstecken aktivieren.
Wir haben bei unserem Havaneser erlebt, wie sie beim ersten lauten Knall sofort zusammenzuckte, zu zittern begann und Schutz suchte. Dieses Verhalten ist kein „Ungehorsam“, sondern ein tief verwurzelter Reflex. Genau hier setzen wir an: Wir können unserem Hund nicht erklären, was ein Feuerwerk ist, aber wir können ihm Strategien und Sicherheit bieten, um damit besser umzugehen.
Desensibilisierung – Training in kleinen Schritten
Die effektivste Methode, unseren Havaneser auf Silvester und Gewitter vorzubereiten, ist die sogenannte Desensibilisierung. Dabei geht es darum, den Hund langsam an Geräusche heranzuführen, bis sie an Bedeutung verlieren.
Wir haben dafür Audioaufnahmen von Feuerwerk und Donner genutzt, die es online in guter Qualität gibt. Zunächst haben wir die Geräusche leise im Hintergrund abgespielt, während wir mit unserem Hund etwas Schönes gemacht haben: ein Spiel, eine Kuscheleinheit oder einfach eine Leckerlipause. Wichtig war, dass sie die Geräusche hörte, sie aber sofort mit etwas Positivem verknüpfen konnte.
Nach und nach haben wir die Lautstärke leicht gesteigert – nie so weit, dass Panik entstand, sondern immer im Rahmen des Möglichen. So wurde aus dem bedrohlichen Knall nach einiger Zeit nur noch ein Geräusch, das sie kannte und akzeptierte. Diese Methode braucht Geduld und Konsequenz, aber sie wirkt nachhaltig
.
Rückzugsorte – Sicherheit geben, wenn es ernst wird
Trotz aller Vorbereitung wird es Momente geben, in denen unser Havaneser Schutz sucht. Genau dafür haben wir ihm feste Rückzugsorte eingerichtet. Das kann eine Box sein, die mit einer Decke abgedunkelt wird, ein Platz unter dem Tisch oder ein Körbchen in einer ruhigen Ecke.
Wir haben gemerkt: Sobald sie einen vertrauten Ort hat, an den sie sich zurückziehen kann, sinkt ihr Stress deutlich. Besonders hilfreich ist es, wenn dieser Platz schon im Alltag positiv besetzt ist. Wir haben ihr ihre Decke zum Beispiel schon vorher als Lieblingsplatz angeboten, sodass sie sie automatisch mit Ruhe und Sicherheit verbindet.
Auch äußere Einflüsse spielen eine Rolle: geschlossene Fenster, abgedunkelte Vorhänge und leise Hintergrundmusik dämpfen die Knallgeräusche. Eine ruhige Atmosphäre im Haus kann den Unterschied machen.
Unsere eigene Rolle – Ruhe statt Mitleid
Ein Fehler, den wir am Anfang oft gemacht haben: Wir haben unseren Hund übermäßig getröstet, wenn er Angst hatte. Natürlich wollten wir ihm helfen, doch unsere übertriebene Fürsorge hat die Unsicherheit noch verstärkt. Fibi hat gespürt, dass auch wir angespannt waren, und das hat ihr Misstrauen bestätigt.
Heute achten wir darauf, selbst ruhig zu bleiben. Wir sprechen in normalem Tonfall, verhalten uns gelassen und strahlen Sicherheit aus. Unser Havaneser spürt sofort, wenn wir entspannt sind – und das überträgt sich auf sie.
Nähe ist wichtig, aber sie sollte beruhigend wirken und nicht hektisch. Oft reicht es, einfach neben ihm zu sitzen, ohne viel Aufhebens zu machen.
Hilfsmittel – wenn Unterstützung sinnvoll ist
Nicht jeder Hund kommt allein mit Training und Rückzugsorten zurecht. Für besonders ängstliche Havaneser können zusätzliche Hilfsmittel sinnvoll sein:
Eng anliegende Shirts (Thunder-Shirts): Sie üben leichten Druck auf den Körper aus, ähnlich wie eine Umarmung, und haben oft eine beruhigende Wirkung.
Natürliche Mittel: Manche Halter schwören auf Bachblüten oder beruhigende Kräutermischungen.
Tierärztliche Unterstützung: Bei starker Angst ist es sinnvoll, den Tierarzt zu fragen. Es gibt spezielle Präparate, die nur im Ausnahmefall eingesetzt werden sollten, aber für extreme Situationen Erleichterung bringen können.
Wichtig ist, dass jedes Hilfsmittel individuell getestet wird. Nicht alles passt zu jedem Hund – und manches braucht Zeit, bis es wirkt.
Silvester im Alltag vorbereiten
Damit unser Havaneser Silvester nicht als Schock erlebt, haben wir einige Routinen eingeführt:
Ausreichend Auslauf am Nachmittag: Ein langer Spaziergang vor Einbruch der Dunkelheit sorgt dafür, dass Fibi müde ist und weniger Energie hat, um auf Geräusche zu reagieren.
Fütterung vor Mitternacht: Ein voller Magen macht träge und entspannt.
Früher Rückzug ins Haus: Spätestens am frühen Abend bleibt sie drinnen – sicher vor den ersten Böllern.
Beschäftigung drinnen: Kauspielzeuge oder kleine Spiele helfen, die Aufmerksamkeit umzulenken.
Gewitter im Sommer – spontane Herausforderungen
Anders als Silvester lassen sich Gewitter nicht planen. Plötzlich ist der Himmel schwarz, der Wind frischt auf und der Donner grollt. Für unseren Havaneser bedeutet das Alarmbereitschaft.
Wir versuchen in solchen Momenten, die gleichen Strategien wie an Silvester anzuwenden: Fenster schließen, beruhigende Musik anmachen, Rückzugsorte anbieten und selbst gelassen bleiben.
Zusätzlich hilft es, das Gewitter nicht unnötig zu dramatisieren – wir tun so, als wäre alles normal. Oft reicht schon diese Haltung, um unserem Hund Sicherheit zu geben.
Unser Fazit
Silvester und Gewitter gehören zum Leben dazu – und damit auch die Herausforderung, unseren Havaneser darauf vorzubereiten. Wir können die Geräusche nicht abstellen, aber wir können unserem Hund Werkzeuge an die Pfote geben, um besser damit umzugehen.
Für uns bedeutet das: rechtzeitige Desensibilisierung, sichere Rückzugsorte, unsere eigene Ruhe und – wenn nötig – unterstützende Hilfsmittel. So erlebt unser Havaneser diese stressigen Situationen nicht mehr als reine Bedrohung, sondern als Herausforderung, die sie gemeinsam mit uns meistert.
Am Ende ist es genau das, was zählt: dass sie spürt, sie ist nicht allein. Und dass sie trotz Knall, Bumm und Donner das Vertrauen behält, dass alles gut wird.




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