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Ohrenpflege beim Havaneser – Kompletter Guide (Reinigen, Haare zupfen & Probleme erkennen)

Aktualisiert: 24. Apr.

„Zupfen oder nicht zupfen?"


Diese Frage wird in der Havaneser-Community so hitzig diskutiert wie das Thema Sommerschur. Manche Tierärzte raten strikt davon ab, manche Hundefriseure machen es routinemäßig. Was stimmt denn nun?


Die ehrliche Antwort: beides kann richtig sein, je nach Hund.


In diesem Artikel klären wir, wann Zupfen sinnvoll ist, wann nicht, und wie du es Schritt für Schritt richtig machst. Mit unseren Erfahrungen aus dreieinhalb Jahren Fibi-Ohren.


Dieser Artikel ist Teil unseres großen Havaneser Fellpflege-Guides — dort findest du den Gesamtüberblick zur Pflege. Hier geht es tief ins Detail zum Thema Ohren.


Die Kurzantwort: Havaneser Ohren zupfen — ja oder nein?


Nicht jeder Havaneser muss gezupft werden. Zupfen ist sinnvoll, wenn sehr viele Haare den Gehörgang blockieren, Schmutz sich anstaut oder wiederkehrende Ohrenentzündungen auftreten.


Zupfen ist nicht pauschal nötig bei jedem Havaneser-Ohr. Alternative: Haare mit der Rundkopfschere vorsichtig kürzen statt zupfen. Wichtiger als die Entscheidung zupfen vs. nicht zupfen ist die regelmäßige Kontrolle 1–2× pro Woche — die beugt den meisten Problemen vor.


Inhaltsverzeichnis


  • Warum Havaneser-Ohren anfällig sind — die Anatomie

  • Zupfen oder nicht zupfen? Die ehrliche Pro-/Contra-Liste

  • Alternative: Haare kürzen statt zupfen

  • Schritt-für-Schritt: Ohren richtig zupfen

  • Schritt-für-Schritt: Ohren reinigen

  • Ohrpuder, Reiniger und Zubehör im Vergleich

  • Ohrprobleme früh erkennen — diese Warnsignale zählen

  • Die 4 häufigsten Ohrerkrankungen beim Havaneser

  • Wann unbedingt zum Tierarzt

  • Welpen an die Ohrenpflege gewöhnen

  • Fibis Ohren-Routine im Alltag

  • Die 5 häufigsten Fehler bei der Ohrenpflege

  • FAQ — häufig gestellte Fragen

  • Fazit


Warum Havaneser-Ohren anfällig sind — die Anatomie


Um zu verstehen, warum Havaneser-Ohren überhaupt besondere Aufmerksamkeit brauchen, lohnt ein kurzer Blick auf die anatomischen Besonderheiten der Rasse:


1. Hängeohren ohne Belüftung.


Der Gehörgang wird vom Ohrlappen wie ein Deckel verschlossen. Warme, feuchte Luft staut sich. Hefepilze (vor allem Malassezia) und Bakterien lieben dieses Klima. Bei stehohrigen Rassen wie dem Deutschen Schäferhund sind Ohrenentzündungen viel seltener — Luft zirkuliert frei.


2. Starker Haarwuchs im Gehörgang.


Havaneser gehören zu den Rassen mit konstitutionell behaartem Gehörgang. Anders als beim Labrador wachsen Haare nicht nur in der Ohrmuschel, sondern tief in den Gehörgang hinein. Diese Haare halten Ohrenschmalz fest, der normalerweise nach außen transportiert würde.


3. L-förmiger Gehörgang.


Wie bei allen Hunden verläuft der Gehörgang zuerst senkrecht nach unten, dann macht er einen 90°-Knick nach innen Richtung Trommelfell. Diese L-Form bedeutet: Flüssigkeit und Sekret fließen nicht von allein raus, sie müssen aktiv ausgeschüttelt oder gespült werden.


4. Empfindliche Haut im Gehörgang.


Die Innenhaut ist dünn, gut durchblutet und reagiert auf Reizstoffe schnell mit Rötung und Juckreiz.


Das Fazit der Anatomie:


Der Havaneser ist kein „Ohrenentzündungs-Garant", aber er gehört zur Risikogruppe, und Vorsorge ist der entscheidende Hebel. Studien zeigen, dass ca. 15–20 % aller Hunde einmal im Leben eine behandlungspflichtige Otitis externa entwickeln. Bei Rassen mit Hängeohren und behaartem Gehörgang (Pudel, Havaneser, Malteser, Cocker Spaniel) liegt der Anteil deutlich höher.


Zupfen oder nicht zupfen? Die ehrliche Pro-/Contra-Liste


Die Debatte ist so alt wie das Thema selbst. Hier beide Seiten — fair und ohne Schönrederei.


Argumente FÜR das Zupfen


  • Bessere Luftzirkulation. Weniger Haar = weniger warm-feuchtes Stauklima = weniger Nährboden für Bakterien und Hefen.

  • Ohrenschmalz fließt ab. Ohne Haar-Blockade wird Sekret auf natürlichem Weg Richtung Ohrmuschel transportiert und kann dort abgewischt werden.

  • Sichtkontrolle wird möglich. Ein offener Gehörgang lässt dich Rötungen, Ausfluss oder Fremdkörper viel früher erkennen.

  • Notwendig bei chronischen Ohrträgern. Hunde mit wiederkehrenden Ohrenentzündungen profitieren messbar von einer haarfreien Belüftung.


Argumente GEGEN das Zupfen (oder für zurückhaltendes Zupfen)


  • Mikroverletzungen. Beim Ziehen eines Haares entsteht in der Haarpapille eine winzige Wunde. Bei wiederholtem, großflächigem Zupfen kann das Eintrittspforten für Bakterien schaffen — paradoxerweise also genau das Problem erzeugen, das man vermeiden will.

  • Die Haare dienen auch dem Schutz. Sie halten groben Schmutz, Insekten und Fremdkörper vom Gehörgang fern. Komplett glattrasierte Gehörgänge verlieren diesen natürlichen Filter.

  • Stress für empfindliche Hunde. Zupfen ist für den Havaneser nicht angenehm. Eine traumatische Erfahrung kann Ohrenpflege für Jahre zum Drama machen.

  • Neuere Studien sind kritisch. Mehrere Veröffentlichungen aus den 2010er-Jahren (z. B. Studien aus den USA und UK) zeigen, dass prophylaktisches Zupfen bei beschwerdefreien Hunden das Risiko einer Otitis sogar leicht erhöhen kann. Die heutige Tierarzt-Empfehlung hat sich entsprechend gewandelt von „routinemäßig zupfen" zu „nur bei Indikation zupfen".


Die moderne Empfehlung (2026-Stand)


Die aktuelle Linie vieler Tierärzte und seriöser Groomer lautet:


Zupfen nur dann, wenn:


  • Der Gehörgang nachweislich durch Haare blockiert ist (sichtbar, tastbar)

  • Es wiederkehrende Ohrenentzündungen gibt

  • Der Tierarzt es explizit empfiehlt

  • Der Hund das Prozedere entspannt toleriert


NICHT zupfen, wenn:


  • Das Ohr gesund und sichtbar sauber ist

  • Nur wenige Haare im Eingang des Gehörgangs sitzen

  • Die Haut entzündet oder gereizt ist (erst Grundproblem behandeln!)

  • Der Hund massiven Stress zeigt


Eine gute Alternative ist in vielen Fällen das Kürzen statt Zupfen — dazu gleich mehr.


Bei Fibi kürzen wir alle 6–8 Wochen, gezupft wird nur punktuell, wenn sich einzelne sehr lange Haare quer im Gehörgang legen. In fünf Jahren eine einzige leichte Reizung, sonst nichts.


Alternative: Haare kürzen statt zupfen


Viele Havaneser-Halter wissen gar nicht, dass es eine schonende Alternative zum Zupfen gibt: die Haare am Gehörgangseingang einfach mit der Rundkopfschere kürzen.


Vorteile gegenüber dem Zupfen:


  • Keine Mikroverletzungen an der Haarpapille

  • Deutlich entspannter für den Hund

  • Bleibt länger wirksam, weil abgeschnittene Haare langsamer nachwachsen als gezupfte

  • Keine Spezialausrüstung nötig — eine Rundkopfschere für Hunde* reicht


So geht's:


  1. Ohrmuschel vorsichtig nach oben-hinten aufklappen, sodass der Gehörgang sichtbar wird

  2. Sehr lange Haare am Eingang des Gehörgangs mit der Rundkopfschere abschneiden, NICHT zupfen

  3. Niemals in den senkrechten Gehörgangsteil hinein schneiden — nur die Haare am Eingang kürzen, die nach außen ragen


Diese Methode eignet sich besonders für:


  • Hunde, die beim Zupfen Stress zeigen

  • Hunde mit empfindlicher Haut

  • Welpen und sehr junge Hunde

  • Halter, die sich unsicher beim Zupfen fühlen


Schritt-für-Schritt: Ohren richtig zupfen


Wenn du dich nach Abwägung für das Zupfen entscheidest, ist die richtige Technik entscheidend. Falsch gezupft tust du deinem Hund weh und riskierst Reizungen.


Was du brauchst


  • Optional: Ohrenzupfzange* — für Halter mit Groomer-Ambitionen; für den Hausgebrauch reichen die Finger

  • Wattepads für die Nachreinigung

  • Leckerli-Vorrat — viele, viele Leckerli


Die Technik


  1. Hund in entspannte Position bringen. Am besten auf deinem Schoß oder auf einer rutschfesten Unterlage. Nicht beim Zappeln anfangen.

  2. Ohrmuschel sanft nach außen klappen, sodass der Gehörgangseingang sichtbar wird.

  3. (Optional) Ein wenig Puder in den Gehörgangseingang geben — nicht tief! Der Puder legt sich um die Haare und macht sie griffig. Ohne Puder rutschen die Haare zwischen den Fingern durch.

  4. Jeweils nur einzelne Haare fassen — mit Daumen und Zeigefinger (oder der Zupfzange, falls du damit arbeitest). Pro Griff maximal 3–4 Haare.

  5. Schnell und entschieden ziehen — in Wuchsrichtung, NICHT seitlich. Ein zögerlicher langsamer Zug tut mehr weh als ein schneller entschiedener.

  6. NIEMALS tief in den Gehörgang greifen. Nur die Haare, die im äußeren Bereich sichtbar sind. Tiefere Zonen sind Tierarzt-Territorium.

  7. Pause bei Stress. Wenn dein Hund zuckt, wegzieht oder fiept — aufhören. Lieber zwei kurze Sessions an zwei Tagen als eine lange belastende.

  8. Nachreinigen und belohnen. Restlichen Puder mit Wattepad wegwischen. Dann Leckerli-Jackpot.


Wichtig: Nicht mehr als 30–50 % der Haare auf einmal entfernen. Komplett kahl zu zupfen ist nie das Ziel — ein paar Haare sollen stehen bleiben als natürlicher Fremdkörper-Filter.


Wie wir das gemacht haben, seht ihr hier:



Schritt-für-Schritt: Ohren reinigen


Reinigen und Zupfen sind zwei verschiedene Dinge. Während Zupfen nur bei Indikation nötig ist, ist regelmäßige Kontrolle Pflicht und Reinigung bei sichtbarem Schmutz oder leichten Auflagerungen.


Wie oft reinigen?


Nicht pauschal. Die richtige Frequenz hängt vom einzelnen Hund ab:


  • Gesundes Ohr, wenig Ohrenschmalz → nur bei sichtbarem Schmutz (oft wochen- oder monatelang gar nicht)

  • Leichte Ohrenschmalz-Neigung → alle 2–4 Wochen

  • Chronische Ohrträger mit tierärztlicher Begleitung → nach TA-Schema, manchmal wöchentlich


Achtung: Zu häufiges Reinigen stört das natürliche Mikrobiom des Gehörgangs und kann Entzündungen provozieren. Ein „sauberes" Ohr ist nicht automatisch ein gesundes Ohr.


Die Technik


  1. Vorbereiten: Milden Hunde-Ohrreiniger* auf Körpertemperatur erwärmen (Flasche kurz in der Hand halten). Kalt ist unangenehm und wird weggeschüttelt.

  2. Ohrmuschel nach außen klappen, 3–5 Tropfen direkt in den Gehörgang geben. Die Menge ist wichtig: zu wenig = wirkt nicht, zu viel = läuft raus und verschmiert.

  3. 30 Sekunden massieren, indem du den Ohransatz zwischen Daumen und Zeigefinger sanft quetschst und rollst. Du solltest ein feuchtes „Schwabb"-Geräusch hören — das bedeutet, der Reiniger verteilt sich im gesamten Gehörgang.

  4. Hund schütteln lassen. Loslassen und einen Schritt zurücktreten. Das Schütteln ist biologisch genau für diesen Zweck gemacht — dabei wird Lösegelöstes Sekret nach oben befördert.

  5. Mit Wattepad auswischen — NUR den sichtbaren Bereich. Ein gutes Wattepad saugt sich mit gelöstem Sekret voll — das ist okay, nicht eklig. Mehrere Pads verwenden, bis das letzte sauber bleibt.

  6. NIEMALS Wattestäbchen tief einführen. Das ist der häufigste vermeidbare Fehler — du schiebst Material weiter nach innen und riskierst Verletzungen am Trommelfell.


Zwei Mythen, mit denen wir aufräumen müssen:


  • „Ein gesundes Hundeohr riecht nach nichts." — Falsch. Ein gesundes Ohr hat einen leicht warmen, erdigen Eigengeruch. Erst ein süßlicher, ranziger oder fauliger Geruch ist pathologisch.


  • „Brauner Ohrenschmalz ist Dreck und muss weg." — Falsch. Etwas bräunliches Sekret ist normal. Dunkler, krümeliger Ausfluss hingegen, der im Ohr haftet, deutet auf Ohrmilben oder Hefepilze hin — dann zum Tierarzt.


Reiniger und Zubehör im Vergleich


Produkt

Zweck

Empfehlung

Preis

Milder Alltags-Ohrreiniger

Regelmäßige Reinigung, kein Problem

ca. 12 €

Antibakterieller Reiniger

Bei leichten Auflagerungen, Geruch

ca. 15 €

Reiniger gegen Hefen/Malassezia

TA-empfohlen bei Hefepilz-Neigung


ca. 20 €

Zupfzange

Präzises Fassen einzelner Haare

ca. 10 €

Rundkopfschere

Kürzen statt zupfen

ca. 15–25 €

Wattepads

Auswischen nach Reinigung

ca. 5 €

Wichtiger Hinweis: Medizinische Ohrentropfen (z. B. mit Kortison oder Antibiotika) gehören NICHT in die Hausapotheke. Die bekommst du nur auf Tierarzt-Verschreibung — und aus gutem Grund, denn bei perforiertem Trommelfell können einige Wirkstoffe das Innenohr schädigen.


Ohrprobleme früh erkennen — diese Warnsignale zählen


Je früher du ein Ohrproblem erkennst, desto einfacher und günstiger ist die Behandlung. Eine unbemerkte Ohrenentzündung kann in wenigen Tagen chronisch werden und Monate zur Ausheilung brauchen.


Warnsignal

Wie erkennbar

Mögliche Ursache

Handlung

Kopfschütteln

Mehrmals täglich, ohne Anlass

Juckreiz, Fremdkörper, Wasser

Sichtkontrolle, ggf. TA

Kopfschiefhaltung

Kopf bleibt dauerhaft zur Seite gelegt

Schmerzhaftes Innenohr, Entzündung

Sofort TA

Kratzen am Ohr

Vermehrtes Scharren mit Pfote

Juckreiz, Entzündung, Milben

Sichtkontrolle, bei Anhalten TA

Süßlich-fauliger Geruch

Riecht direkt ins Ohr

Bakterielle Infektion

Baldiger TA

Rötung Ohrmuschel

Innenseite der Ohrmuschel rot

Entzündung, Allergie

Beobachten, bei Zunahme TA

Brauner krümeliger Ausfluss

Dunkles, bröseliges Sekret

Ohrmilben, Hefen

TA-Besuch

Gelb-eitriger Ausfluss

Gelbliche, zähe Flüssigkeit

Bakterielle Entzündung

Dringend TA

Schwellung Ohrmuschel

Fühlt sich dick, warm, prall an

Blutschwellung (Othämatom)

Sofort TA

Schmerzreaktion

Fiepen beim Berühren

Entzündung, Abszess

TA heute, nicht morgen

Faustregel: Einzelne Episoden von Kopfschütteln können harmlos sein (Wassertropfen nach Spaziergang bei Regen). Mehrere Warnsignale gleichzeitig oder ein anhaltendes Symptom über 48 Stunden gehören zum Tierarzt.


Die 4 häufigsten Ohrerkrankungen beim Havaneser


1. Otitis externa (Gehörgangsentzündung)


Die häufigste Erkrankung — eine Entzündung des äußeren Gehörgangs, meist durch Bakterien, Hefen oder eine Kombination. Ursachen sind vielfältig: Feuchtigkeit nach dem Baden, allergische Reaktionen, Fremdkörper (Gras, Grannen), verstopfte Ohrenschmalz-Drüsen.

Symptome: Rötung, Geruch, Ausfluss, Juckreiz, Kopfschütteln. Behandlung: Tierarzt — meist medizinische Ohrentropfen (antibiotisch, antimykotisch, entzündungshemmend) über 7–14 Tage.


2. Malassezia-Hefepilz-Infektion


Malassezia ist ein Hefepilz, der natürlich auf jeder Hundehaut vorkommt. Bei warm-feuchtem Milieu im Gehörgang vermehrt er sich explosiv.

Typisches Zeichen: dunkelbrauner, oft krümeliger Ausfluss, starker süßlicher Geruch, intensiver Juckreiz. Oft sekundär nach Wasserkontakt oder Allergien. Behandlung: Tierarzt — spezieller antimykotischer Reiniger.


3. Ohrmilben (Otodectes cynotis)


Winzige Parasiten, die sich im Gehörgang einnisten und von Hautschuppen leben. Hochansteckend zwischen Hunden und Katzen.

Typisches Zeichen: sehr dunkelbrauner, kaffeesatzartiger Ausfluss, extremer Juckreiz. Behandlung: Tierarzt — spezifische Antiparasitika. Alle Haustiere im Haushalt parallel behandeln.


4. Othämatom (Blutohr)


Blutung zwischen Ohrknorpel und Haut, oft durch heftiges Kopfschütteln oder Kratzen — die Ursache ist meist eine vorbestehende Ohrenentzündung.

Typisches Zeichen: plötzlich dicker, prall gefüllter Ohrlappen. Fühlt sich warm und weich an. Behandlung: Tierarzt — operative Drainage oder konservative Punktion. Ohne Behandlung vernarbt das Ohr zum typischen „Blumenkohl-Ohr".


Wann unbedingt zum Tierarzt


Sofort (gleicher Tag oder Notdienst):


  • Ohrlappen stark geschwollen, warm, prall (Othämatom)

  • Dauerhafte Kopfschiefhaltung (kann aufs Innenohr hinweisen)

  • Heftiger Schmerz beim Berühren

  • Gelbliche, eitrige Ausfluss-Menge

  • Hund hört plötzlich schlecht oder reagiert benommen


Baldmöglich (1–3 Tage):


  • Anhaltender süßlich-fauliger Geruch

  • Anhaltendes Kratzen oder Kopfschütteln über 48 Stunden

  • Rötung, die nicht von allein zurückgeht

  • Jede Form von sichtbarem Ausfluss über mehrere Tage


Routine (beim nächsten Vorsorgetermin):


  • Kleine Wachs-Veränderungen ohne sonstige Symptome

  • Klärung, ob prophylaktisches Zupfen beim eigenen Hund sinnvoll ist


Welpen an die Ohrenpflege gewöhnen


Was der Havaneser-Welpe in den ersten sechs Lebensmonaten als normal akzeptiert, bleibt ein Leben lang unkompliziert. Was er jetzt ablehnt, wird später zum Drama.


Die 5-Stufen-Methode:


Stufe 1 (ab 8. Lebenswoche): Nur Berühren. 10 Sekunden Ohrmuschel streicheln, sofort Leckerli. Mehrmals täglich.

Stufe 2 (ab 10. Lebenswoche): Ohrmuschel umklappen und reinschauen. Wieder nur 10 Sekunden, sofort Leckerli. Kein Werkzeug, keine Prozedur.

Stufe 3 (ab 12. Lebenswoche): Mit feuchtem Wattepad ganz sanft im Ohr wischen — nur die Muschel, nicht der Gehörgang. Leckerli.

Stufe 4 (ab 4. Lebensmonat): Erste Ohrreiniger-Anwendung, ganz vorsichtig, kurze Massage, Leckerli. Nicht auf Wirkung arbeiten — auf Erfahrung.

Stufe 5 (ab 6. Lebensmonat): Falls nötig, erste punktuelle Zupf-Übung — nur einzelne Haare, sofort Leckerli.


Was du vermeiden solltest:


  • Erste Pflege erst mit 6 Monaten beginnen („Er ist ja noch so klein")

  • Unter Zwang durchziehen bei Wehrhaftigkeit

  • Ohne Leckerli arbeiten

  • Bei einem gestressten Welpen weitermachen


Geduld in den ersten Monaten spart Jahrzehnte Konflikte.


Fibis Ohren-Routine im Alltag


„Wir checken Fibis Ohren zweimal pro Woche beim Abendkuscheln, meist Sonntag und Donnerstag. Reinigung mit Virbac Epi-Otic nach Bedarf.


Kürzen statt zupfen alle 6–8 Wochen mit der Rundkopfschere. Unsere Erfahrung aus drei Jahren: Wenige, aber konsequente Kontrollen schlagen sporadische Tiefenreinigungs-Aktionen.

Früher sind wir wie im Video oben vorgegangen.


Die 5 häufigsten Fehler bei der Ohrenpflege


  1. Wattestäbchen benutzen. Der Klassiker. Du schiebst Material nach innen, nicht raus. Verletzungen am Trommelfell möglich. Nur Wattepads für die Ohrmuschel-Außenseite.

  2. Zu häufig reinigen. „Prophylaktisch" alle paar Tage Ohrreiniger rein — stört das natürliche Mikrobiom und kann Entzündungen provozieren. Reinige nur, was sichtbar gereinigt werden muss.

  3. Zupfen ohne Ohrpuder. Haare rutschen weg, du ziehst mehrfach, es tut dem Hund weh. Mit Puder greifst du beim ersten Versuch und arbeitest dreimal schneller.

  4. Symptome ignorieren. Einmaliges Kopfschütteln ist harmlos. Tägliches Kopfschütteln über eine Woche ist eine beginnende Otitis. Früh handeln ist günstiger und schonender.

  5. Selbstmedikation. „Meinem Hund hatten wir mal was vom Tierarzt — das krame ich einfach raus." Nein. Ohrentropfen sind symptomspezifisch. Falsche Tropfen bei perforiertem Trommelfell können das Innenohr schädigen und das Gehör beeinträchtigen.


FAQ — häufig gestellte Fragen


Muss man Havaneser-Ohren regelmäßig zupfen?


Nein, pauschal nicht. Gezupft wird nur, wenn Haare den Gehörgang wirklich blockieren oder der Tierarzt es wegen wiederkehrender Ohrenentzündungen empfiehlt. Für viele Havaneser reicht es, die Haare am Gehörgangseingang alle 6–8 Wochen mit einer Rundkopfschere zu kürzen statt auszureißen — das ist schonender und ebenso wirksam.


Wie oft sollte ich die Ohren meines Havanesers kontrollieren?


Eine Sichtkontrolle 1–2 Mal pro Woche reicht bei gesunden Ohren. Ohrmuschel nach außen klappen, reinschauen, kurz riechen, fertig — dauert 30 Sekunden. Reinigung nur bei sichtbarem Schmutz oder auf Tierarzt-Empfehlung. Zu häufiges Reinigen stört das natürliche Gleichgewicht im Gehörgang und kann Entzündungen sogar auslösen.


Welcher Ohrreiniger ist für Havaneser am besten?


Mild, leicht sauer, ohne Alkohol und ohne aggressive Duftstoffe. Virbac Epi-Otic Advanced und Otodine sind die tierärztlichen Standard-Empfehlungen und für den Havaneser gut geeignet. Für Hunde mit Hefepilz-Neigung gibt es spezialisierte Präparate wie Zymox Otic. Menschen-Ohrreiniger und Alkohol-haltige Produkte sind absolut tabu.


Soll ich mit Wattestäbchen reinigen?


Auf keinen Fall. Wattestäbchen schieben Material in den Gehörgang, statt es heraus zu transportieren — genau das Gegenteil dessen, was du erreichen willst. Außerdem kann das Stäbchen beim Zucken des Hundes das Trommelfell verletzen. Verwende ausschließlich weiche Wattepads für die sichtbare Ohrmuschel, niemals für den Gehörgang.


Wie erkenne ich eine Ohrenentzündung?


Typische Zeichen sind häufiges Kopfschütteln, vermehrtes Kratzen am Ohr, süßlich-fauliger Geruch, Rötung der Ohrmuschel, brauner oder gelblicher Ausfluss, Schmerzreaktion beim Berühren und in schweren Fällen Kopfschiefhaltung. Tritt eines oder mehrere dieser Symptome länger als 48 Stunden auf, gehört der Hund zum Tierarzt — nicht zur Apotheke.


Was kostet eine Ohrenentzündung beim Tierarzt?


Eine unkomplizierte Otitis externa kostet typischerweise 60–150 € für die Untersuchung plus 30–60 € für die verschriebenen Ohrentropfen. Bei notwendigem Abstrich oder chronischem Verlauf können 200–400 € zusammenkommen. Eine operative Othämatom-Versorgung liegt bei 300–600 €. Vorsorge ist nicht nur tierfreundlicher, sondern auch günstiger.


Kann ich meinem Havaneser das Baden ohne Ohrschutz zumuten?


Besser nicht — auch wenn es viele machen. Wasser im Gehörgang ist die häufigste Ursache für akute Otitis. Vor dem Baden zwei kleine Wattebäusche locker in die Ohrmuschel legen (nicht tief in den Gehörgang drücken). Nach dem Bad Wattebäusche entfernen, Ohrmuschel mit Handtuch trocken tupfen. Bei Hunden mit Otitis-Neigung zusätzlich einen milden Reiniger nach dem Baden.


Wie gewöhne ich einen Welpen an Ohrenkontrolle?


Ab der 8. Lebenswoche täglich kurze Sessions: nur Ohr berühren, sofort Leckerli. Nach einer Woche Ohrmuschel kurz umklappen, Leckerli. Nach weiteren zwei Wochen erstes vorsichtiges Wattepad-Wischen in der Ohrmuschel. Das Ziel in den ersten sechs Monaten ist nicht Pflegewirkung — sondern positive Konditionierung. Wer hier investiert, spart sich ein Leben lang Dramen.


Zupfen oder kürzen — was ist besser?


Für die meisten Havaneser ist Kürzen ausreichend und schonender. Mit einer Rundkopfschere werden die Haare am Gehörgangseingang alle 6–8 Wochen eingekürzt. Zupfen wird nur bei Hunden mit starkem, dichten Haarwuchs im Gehörgang und wiederkehrenden Ohrenproblemen empfohlen — und auch dann zurückhaltend, nicht flächendeckend.


Braucht mein Havaneser Ohrpuder, wenn ich nicht zupfe?


Nein. Ohrpuder hat nur den Zweck, Haare beim Zupfen griffig zu machen. Für reine Reinigung oder Kontrolle brauchst du keinen Puder. Wer „prophylaktisch" Puder ins Ohr gibt, verstopft den Gehörgang unnötig — das Gegenteil dessen, was das Ohr braucht.


Warum stinken die Ohren meines Havanesers?


Ein ganz leichter, warmer Eigengeruch ist normal. Ein süßlicher, ranziger oder fauliger Geruch ist ein Alarmzeichen für eine bakterielle Infektion oder Hefepilz-Überwucherung. Tritt auffälliger Geruch auf — auch ohne sichtbaren Ausfluss — ist das ein klarer Fall für den Tierarzt. Nicht warten, bis der Hund auch noch kratzt oder Schmerzen zeigt.


Sind Ohrmilben beim Havaneser häufig?


Nicht häufig, aber möglich — besonders bei Kontakt zu infizierten Hunden oder Katzen. Typisches Bild ist ein dunkelbrauner, kaffeesatzartiger Ausfluss und starker Juckreiz. Ohrmilben sind hochansteckend zwischen Haustieren. Behandlung beim Tierarzt ist Pflicht, und alle im Haushalt lebenden Tiere werden parallel mitbehandelt.


Kann ich Öl oder Hausmittel in die Ohren geben?


Bitte nicht. Olivenöl, Kokosöl, Teebaumöl oder Essig-Wasser-Mischungen werden im Internet immer wieder empfohlen — können aber die Haut im Gehörgang reizen, sind nicht ideal gepuffert und werden schlecht wieder entfernt. Halte dich an tierärztlich zugelassene Reiniger. Die kosten 10–15 € und halten ein halbes Jahr.


Wie lange dauert eine Ohrenentzündung?


Bei früher Behandlung und guter Mitarbeit des Hundes 7–14 Tage. Chronisch verlaufende Otitis oder Rückfälle können Monate dauern und werden dann meist mit zusätzlichen Diagnostik-Schritten (Zytologie, Abstrich) begleitet. Je früher du eine Entzündung behandelst, desto kürzer und günstiger der Verlauf.


Fazit


Havaneser-Ohrenpflege ist weniger kompliziert, als die Internet-Debatten suggerieren — aber sie ist wichtig. Die drei entscheidenden Hebel sind


  • regelmäßige Kontrolle (1–2× pro Woche)

  • zurückhaltender Umgang mit Reinigern und Zupfen (weniger ist mehr)

  • und frühes Reagieren auf Warnsignale (48 Stunden Symptom = Tierarzt).


Ob du zupfst oder kürzt, ist eine individuelle Entscheidung, keine Grundsatzfrage. Beobachte deinen eigenen Hund, seine Haarfülle im Gehörgang und seine Verträglichkeit. Bei Unsicherheit: einmalig mit deinem Tierarzt durchsprechen, dann hast du für den Rest des Hundelebens eine klare Linie.


Mehr zur gesamten Havaneser-Pflege — vom Bürsten bis zum Scheren — findest du in unserem Havaneser Fellpflege-Komplett-Guide. Und wenn die Augen deines Havanesers neben den Ohren auch noch Tränenflecken haben, lies dir am besten direkt noch unseren Tränenflecken-Artikel durch.


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Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei anhaltenden Ohrensymptomen bitte umgehend den Tierarzt aufsuchen — Ohrenentzündungen werden unbehandelt schnell chronisch.

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