Trennungsstress beim Havaneser erkennen – die leisen Anzeichen
- fibisadventures
- 24. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 9. Feb.
Wenn man über „Trennungsangst“ bei Hunden spricht, sieht man oft die dramatischen Bilder vor sich: Jaulen, Bellen, Zerstören, Türen ankratzen.
Bei Fibi war das alles in unserer Wohnung nie der Fall. Und genau deshalb haben wir lange gedacht, dass sie hier völlig entspannt ist, wenn wir gehen.
Bis wir eine Kleinigkeit übersehen haben: Havaneser sind Meister darin, subtil zu kommunizieren.
Sie brauchen keine große Show, denn oft reicht ein Blick.
Heute teilen wir, wie wir bei Fibi gelernt haben, leise Anzeichen von Trennungsstress zu erkennen und wie wir damit umgehen, ohne daraus ein Riesenthema zu machen.
Trennungsstress beim Havaneser – kurz erklärt
Havaneser sind sehr menschenbezogen und reagieren sensibel auf Veränderungen.
Stress zeigt sich häufig subtil, nicht nur durch Bellen oder Zerstören.
Kleine Schritte und klare Rituale helfen mehr als schnelle Lösungen.
Jeder Hund hat sein eigenes Tempo beim Alleinbleiben.
Warum Havaneser hier besonders sensibel sind
Der Havaneser wurde ursprünglich als Begleithund gezüchtet. Nähe zum Menschen gehört zu seinem Wesen. Viele Halter erleben deshalb, dass ihr Hund besonders aufmerksam auf Bewegungen im Alltag reagiert: das Rascheln der Jacke, das Klingeln der Tür oder das Greifen nach dem Schlüssel.
Das bedeutet nicht automatisch ein Problem. Erst wenn ein Hund sichtbar unter dem Alleinsein leidet, sprechen wir von Trennungsstress.
Die leisen Anzeichen – wie Fibi uns „gesagt“ hat, dass etwas los ist
Als Fibi jünger war, zeigte sie Dinge, die wir erst später zuordnen konnten:
1. Das „Tür-Warten“ Nicht hektisch, nicht winselnd, einfach sitzend, ruhig und mit gespannter Haltung. Kein Schlaf, kein Spielen, nur Warten.
2. Das „Nach-der-Tür-Schnüffeln“Wenn wir zurückkamen, schnüffelte sie zuerst nicht an uns, sondern an der Tür. Als wollte sie rekonstruieren, wann wir gegangen sind.
3. Das verzögerte Entspannen Es dauerte, bis sie sich wieder abgelegt hat. Nicht panisch, nur sehr… wach.
4. Weniger Trinken & kein Spielen allein Fibi spielt selten allein, aber während der Abwesenheit gar nicht. Trinken passierte erst, wenn wir wieder da waren.
Was wir zuerst beobachten würden
Bevor wir etwas verändern, schauen wir auf den Alltag:
1. Routinen rund ums Verlassen der Wohnung
Hektische Abschiede oder lange Verabschiedungsrituale können mehr Stress auslösen als helfen. Wir versuchen deshalb, das Gehen möglichst neutral zu gestalten.
2. Bewegung & Auslastung
Ein ausgeglichener Hund bleibt oft ruhiger allein. Wie wir Bewegung und Ruhe ausbalancieren, zeigen wir im Beitrag: Wie viel Auslauf braucht ein Havaneser?
3. Ruhe lernen statt Action
Viele Hunde müssen erst lernen, wirklich abzuschalten. Kurze Ruhephasen im Alltag können helfen, bevor längeres Alleinbleiben überhaupt geübt wird.
Typische Fehler beim Training
Gerade am Anfang wollten wir vieles „richtig“ machen und haben gemerkt, dass weniger oft mehr ist:
zu große Trainingsschritte
wechselnde Regeln
zu viel Aufmerksamkeit vor dem Gehen
zu schnelles Steigern der Zeit allein
Stattdessen hat uns ein ruhiger, gleichbleibender Ablauf mehr gebracht als komplizierte Methoden.
So haben wir kleine Fortschritte aufgebaut
Unsere Strategie war kein strenger Trainingsplan, sondern ein Gefühl für den richtigen Moment:
Wohnung kurz verlassen, ohne großes Aufsehen
ruhig zurückkommen, ohne überschwängliche Begrüßung
Zeiten langsam steigern
Erfolg nicht an Minuten messen, sondern am Verhalten danach
Mit ähnlichen Trainingseinheiten haben wir beim Treppensteigen für Havaneser gestartet. Es ging nie darum, Fibi „durchzuhalten“, sondern ihr Sicherheit zu geben.
Trennungsstress oder einfach Langeweile?
Nicht jedes Verhalten bedeutet Stress. Manche Hunde sind schlicht unterfordert oder reagieren auf Veränderungen im Tagesablauf. Deshalb schauen wir immer zuerst auf das Gesamtbild:
Hat sich etwas im Alltag geändert?
Gibt es neue Geräusche oder Reize?
Ist der Hund körperlich ausgelastet?
Diese Fragen helfen uns, nicht vorschnell zu urteilen.
Was uns beim Training geholfen hat:
Kamera – der stille Beobachter, der Klarheit bringt
Wir haben uns eine kleine Kamera angeschafft. Nicht, um zu kontrollieren, sondern um zu verstehen.
Überraschend war: Fibi hat sich nicht auf das Sofa geworfen oder gewinselt, sie hat einfach gewartet. Still, aufmerksam, unruhig schlafend.
Und genau diese Art von Stress wird oft übersehen, weil sie nicht laut ist.
Futterspielzeuge – Beschäftigung statt Warten
Was uns geholfen hat, waren Futterspielzeuge, die Fibi mental beschäftigen, während wir weg sind. Sie zwingt sich dann nicht zu „schlaf mal“, sondern hat etwas zu tun, das:
belohnend ist
ruhig ist
sinnvoll Energie bindet
Wir starten die Futterspiele ein paar Minuten bevor wir gehen, damit es nicht wie ein Bestechungsritual wirkt.
Geräuschkulisse – nicht totstill muss nicht laut sein
Ruhe im Haus klingt gut. Für sensible Hunde bedeutet Stille aber oft: „Nichts passiert – ich lausche auf jedes Geräusch.“
Bei Fibi hilft White Noise oder ruhiges Hintergrundgeräusch. Keine Musik, kein TV, eher ein akustischer Teppich, der Außenreize dämpft. Unser Tipp: LoFi-Musik auf YouTube eingeben.
Unsere Learnings aus dem Alltag
✔ Nähe ist für Havaneser normal – Unabhängigkeit muss wachsen
✔ kleine Schritte wirken nachhaltiger als große Trainingspläne
✔ ruhige Abschiede helfen oft mehr als viele Worte
✔ Vertrauen entsteht durch Wiederholung
Häufige Fragen zu Trennungsstress beim Havaneser
Wie lange kann ein Havaneser allein bleiben?
Das ist individuell. Viele Hunde müssen das Alleinsein erst langsam lernen. Fibi bleibt inzwischen bis zu 6 Stunden allein.
Ist Winseln beim Gehen ein Problem?
Nicht unbedingt. Entscheidend ist, wie sich der Hund während eurer Abwesenheit verhält.
Sollte man Spielzeug dalassen?
Manche Hunde profitieren davon, andere ignorieren es komplett. Wir beobachten, was wirklich Ruhe bringt.
Kann Bewegung vorher helfen?
Ja, aber nur ruhig dosiert. Überdrehtes Spielen kurz vor dem Gehen wirkt oft kontraproduktiv.
Wann sollte man Hilfe holen?
Wenn der Hund stark leidet, sich verletzt oder dauerhaft nicht zur Ruhe kommt, ist professionelle Unterstützung sinnvoll.
Unser persönlicher Tipp
Wir haben gelernt, dass Trennungsstress kein Wettlauf gegen die Uhr ist. Jeder kleine Fortschritt zählt. Statt auf perfekte Trainingsmethoden zu setzen, hilft es oft mehr, den eigenen Alltag ruhiger zu strukturieren und dem Hund Zeit zu geben.
Unser Fazit
Trennungsstress ist beim Havaneser oft kein Drama. Er ist leise, subtil und liebevoll gemeint:„Wenn ich dich nicht sehe, halte ich die Stellung, aber ich fange einfach nichts Neues an.“
Heute wissen wir: Wir können Fibi helfen, ohne sie verändern zu wollen. Mit kleinen Hilfsmitteln, mit Verständnis und ohne großen Aufriss.
Trennungsstress zeigt sich nicht immer laut, sondern oft in kleinen Veränderungen im Verhalten.



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