Havaneser Charakter – Wesen, Temperament und typische Eigenheiten der Rasse
- Fibis Adventures

- 4. Aug.
- 8 Min. Lesezeit
Wer sich mit der Anschaffung eines Havanesers – international auch Havanese geschrieben – beschäftigt, stößt schnell auf Aussagen wie "perfekter Familienhund", "anhänglicher Begleiter" oder "kleiner Clown auf vier Pfoten". Doch hinter diesen Beschreibungen steckt mehr als ein süßes Erscheinungsbild. Der Charakter eines Havanesers ist komplexer, als viele zunächst denken.
Die Kurzantwort:
Der Havaneser ist ein menschenbezogener, intelligenter und verspielter Begleithund, der sehr stark an seine Bezugspersonen gebunden ist. Typisch sind hohe Anhänglichkeit, soziale Offenheit, schnelle Lernfähigkeit und eine ausgeprägte Sensibilität für Stimmungen. Genau diese Nähe bringt auch die typischen Herausforderungen mit: Alleinbleiben, Meldefreude und ein oft unterschätzter Beschäftigungsbedarf.
In diesem Guide bekommst du das komplette Bild: den Steckbrief, jede Eigenschaft mit ihrer Alltagsbedeutung, das Temperament im Tagesverlauf, die Charakter-Entwicklung vom Welpen bis zum Senior, die typischen Missverständnisse und einen ehrlichen Selbsttest, ob die Rasse zu dir passt. Dabei fließen die allgemeinen Rassemerkmale genauso ein wie unsere Erfahrungen aus sechs Jahren Alltag mit Fibi.
Steckbrief: Der Havaneser auf einen Blick
Merkmal | Havaneser |
FCI-Gruppe | Gruppe 9, Sektion 1 (Bichons und verwandte Rassen) |
Ursprüngliche Aufgabe | Gesellschafts- und Begleithund |
Schulterhöhe | 23–27 cm |
Gewicht | 4–7 kg |
Lebenserwartung | |
Wesen | menschenbezogen, verspielt, intelligent, sensibel |
Wie ist der Havaneser wirklich? Charakter, Temperament und typische Eigenheiten und für wen das Wesen passt und für wen nicht. Aus 6 Jahren mit Fibi. Energielevel | mittel: aktiv, aber kein Hochleistungssportler |
Bewegungs- und Beschäftigungsbedarf | 60–90 Minuten täglich, körperlich und geistig |
Bellfreudigkeit | meldet, ist aber kein notorischer Kläffer |
Alleinbleiben | schwerste Disziplin der Rasse, muss früh trainiert werden |
Eignung | Familien, Paare, aktive Senioren, Ersthundehaushalte |
Die Charaktereigenschaften im Detail
So ausgeprägt sind die einzelnen Wesenszüge, und das bedeuten sie konkret für deinen Alltag:
Eigenschaft | Ausprägung | Was das im Alltag heißt |
Menschenbezogenheit | sehr hoch | Dein Hund folgt dir durch die Wohnung, will überall dabei sein. Homeoffice-Traum, Alleinbleib-Baustelle. |
Verspieltheit | hoch, bis ins hohe Alter | Spontane Spielaufforderungen und Clownmomente gehören zum Alltag, auch beim erwachsenen Hund. |
Intelligenz und Lernfreude | hoch | Routinen, Signale und Tricks sitzen schnell. Aber: Er lernt auch Unerwünschtes schnell, etwa dass Bellen die Tür öffnet. |
Sensibilität | hoch | Er liest deine Stimmung und reagiert auf Stress im Haushalt. Lautes Schimpfen verunsichert statt zu erziehen. |
Wachsamkeit | mittel | Klingel und Ungewohntes werden gemeldet, danach kehrt schnell Ruhe ein. Ein Wachhund ist er nicht. |
Jagdtrieb | niedrig | Als reiner Begleithund gezüchtet. Ein Eichhörnchen ist interessant, aber selten ein Drama. |
Sturheit | mittel | Er hat einen eigenen Kopf. Meist steckt aber Ablenkung oder Übermüdung dahinter, kein böser Wille. |
Stark menschenbezogen: der Schattenhund
Havaneser wurden über Jahrhunderte für eine einzige Aufgabe gezüchtet: das Leben in enger Nähe zum Menschen. Nicht hüten, nicht jagen, nicht bewachen. Deshalb suchen sie ständig Kontakt, folgen ihren Menschen von Raum zu Raum und möchten möglichst überall dabei sein. Viele Halter beschreiben ihren Havaneser darum als "Schattenhund", und genau so ist es bei uns: Wer mit Fibi in der Wohnung den Raum wechselt, hat drei Sekunden später Gesellschaft.
Diese Nähe ist die größte Stärke der Rasse und zugleich ihre größte Baustelle, denn ein Hund, der so auf seine Menschen ausgerichtet ist, muss das Alleinbleiben aktiv lernen. Wie das kleinschrittig gelingt, steht in Havaneser alleine lassen lernen.
Verspielt bis ins Erwachsenenalter
Anders als viele Rassen behalten Havaneser ihre verspielte Art oft ein Leben lang: spontane Spielaufforderungen, kleine Clownmomente, große Begeisterung für alles, was gemeinsam passiert. Gerade im Familienalltag sorgt das für viel Unterhaltung.
Hier seht ihr unseren Clown nach einem Jahr und wie verspielt sie ist:
Intelligent und lernfreudig
Havaneser sind keine klassischen Arbeitshunde, trotzdem sind sie sehr lernfähig. Sie verstehen Routinen, lesen Körpersprache und erfassen die Stimmungen ihrer Menschen erstaunlich präzise. Mit positiver Bestärkung lernen sie Tricks, Signale und Regeln meist sehr schnell. Die Kehrseite: Sie lernen genauso schnell, was sich lohnt. Ein Havaneser, der einmal erlebt hat, dass Bellen die Terrassentür öffnet, hat diese Lektion ebenfalls in einer Wiederholung gespeichert. Wie du die Lernfreude in die richtigen Bahnen lenkst, zeigt unser Leitfaden zur Havaneser Erziehung.
Sensibel gegenüber Stimmungen
Viele Havaneser reagieren stark auf die Emotionen ihrer Menschen: Sie suchen Nähe bei Stress, werden ruhig bei Traurigkeit und beobachten Körpersprache sehr genau. Diese Sensibilität macht sie zu empathischen Begleitern, bedeutet aber auch: Deine Anspannung kommt am anderen Ende der Leine an. Wie du umgekehrt die Signale deines Hundes besser liest, zeigen wir in Havaneser Sprache verstehen.
Wachsam, aber kein Wachhund
Havaneser melden ungewöhnliche Geräusche und Besucher: kurzes Anschlagen beim Klingeln, aufmerksames Beobachten neuer Situationen, dann schnelle Beruhigung, wenn alles normal wirkt. Ob aus dem Melden ein Dauerkläffen wird, entscheidet nicht die Rasse, sondern die Erziehung. Die ehrliche Einordnung mit Bell-Statistik steht in Sind Havaneser Kläffer?
Das Temperament: Wie viel Energie steckt in einem Havaneser?
"Temperamentvoll" trifft es besser als "ruhig" oder "aufgedreht". Ein Havaneser hat zwei Gänge, und beide gehören zur Rasse:
Der Turbogang.
Kurze, intensive Energieschübe, die berühmten Zoomies, ausgelassenes Spiel, Begeisterung bei allem Neuen. Fibi kann auf der nassen Wiese ihre Runden drehen wie ein kleiner Rennwagen.
Der Kuschelgang.
Nach der Auslastung schaltet ein ausgeglichener Havaneser erstaunlich schnell ab und döst stundenlang neben seinen Menschen. Dieses schnelle Umschalten zwischen Action und Ruhe ist typisch für die Rasse.
Wichtig zu wissen: Der Kuschelgang stellt sich nur ein, wenn der Turbogang seinen Auslass hatte. Ein unterforderter Havaneser wird nicht ruhig, sondern nervös, bellig oder anhänglich bis zur Penetranz. Die 60 bis 90 Minuten täglicher Auslastung aus dem Steckbrief sind deshalb keine Empfehlung, sondern die Voraussetzung für den entspannten Begleithund, den sich alle wünschen. Wie unser Alltag konkret aussieht, steht in Wie viel Auslauf braucht ein Havaneser?
Charakter-Entwicklung: vom Welpen bis zum Senior
Der Charakter deines Havanesers ist nicht statisch, er entwickelt sich in Phasen:
Lebensphase | Alter | Das ist charakterlich typisch |
Welpe | bis 6 Monate | Neugierig, anhänglich, alles ist Spiel. Jetzt werden Vertrauen und Grundregeln geprägt. |
Junghund / Pubertät | 6–18 Monate | Grenzen werden getestet, Gehörtes wird "vergessen", der eigene Kopf zeigt sich deutlich. Eine Phase, kein Charakterwandel. |
Erwachsen | 2–8 Jahre | Der Charakter ist gefestigt: verspielt, ausgeglichen, eng an seine Menschen gebunden. Die besten Jahre. |
Senior | ab ca. 9 Jahren | Ruhiger und noch anhänglicher, das Spielbedürfnis bleibt aber oft bis ins hohe Alter erhalten. |
Wie sich parallel Körper, Größe und Fell entwickeln, liest du in Wie lange wächst ein Havaneser?
Charakter im Alltag
Verhalten gegenüber Kindern
Viele Havaneser gelten als sehr kinderfreundlich: verspielte Natur, handliche Größe, viel Geduld. Trotzdem sollte der Umgang zwischen Hund und Kindern immer begleitet werden, und das Kind braucht genauso Regeln wie der Hund. Den kompletten Familien-Check findest du in Sind Havaneser kinderfreundlich?
Verhalten gegenüber anderen Hunden und Tieren
Die meisten Havaneser sind sozial und verträglich. Mit guter Sozialisierung zeigen sie freundliche Annäherung, spielerisches Verhalten und wenig Imponiergehabe. Auch mit anderen Haustieren klappt es meist gut, der Havaneser ist von Natur aus ein Teamplayer: Havaneser im Mehrtierhaushalt
Verhalten gegenüber Fremden
Hier ist die Bandbreite innerhalb der Rasse am größten. Manche Havaneser sind sofort offen und begrüßen jeden wie einen alten Freund. Andere beobachten Fremde erst aus der Distanz und brauchen ein paar positive Begegnungen, bevor sie auftauen. Fibi gehört zur zweiten Sorte: Unbekannte Menschen meidet sie zunächst, bekannte Gesichter werden dafür umso stürmischer begrüßt. Beides ist normales Havaneser-Wesen, und die vorsichtige Variante ist kein Mangel, sondern gesunde Zurückhaltung.
Typische Missverständnisse über den Havaneser-Charakter
"Der Havaneser ist nur ein Schoßhund."
Er liebt den Schoß, ja. Aber er braucht Bewegung, mentale Auslastung und gemeinsame Aktivitäten, sonst kippt das freundliche Wesen in Nervosität. Ein Deko-Hund ist er nicht.
"Kleine Hunde brauchen keine Erziehung."
Das Gegenteil ist der Fall: Gerade weil Havaneser so intelligent sind und so genau beobachten, lernen sie ohne klare Regeln eben die falschen. Bellverhalten, Unsicherheit und das berüchtigte Kleine-Hund-Syndrom sind keine Rasseeigenschaften, sondern Erziehungslücken.
"Havaneser sind Kläffer."
Der Ruf ist hartnäckig, aber unfair. Havaneser melden, hören bei guter Erziehung aber schnell wieder auf. Die Details samt Training stehen im Kläffer-Beitrag.
Die zwei echten Charakter-Herausforderungen
Trennungsstress.
Durch ihre starke Bindung fällt vielen Havanesern das Alleinbleiben schwer. Typische Anzeichen sind Jaulen, Unruhe und zerstörerisches Verhalten, die leisen Vorboten erkennst du in Trennungsstress beim Havaneser erkennen. Die gute Nachricht: Mit frühem, kleinschrittigem Training sind 3 bis 4 Stunden für die meisten gut machbar.
Unterforderung.
Havaneser brauchen keine Bergtouren, aber täglich Kopfarbeit: Schnüffelspiele, kleine Trainingseinheiten, ein Schnüffelteppich* oder Intelligenzspielzeug* für zwischendurch. Ein gelangweilter Havaneser sucht sich seine Beschäftigung selbst, und die gefällt dir garantiert nicht. Ideen findest du in Beschäftigung für Havaneser drinnen.
Selbsttest: Passt der Havaneser-Charakter zu dir?
Geh die acht Aussagen ehrlich durch. Je öfter du zustimmst, desto besser passt die Rasse:
Ich bin die meiste Zeit des Tages zu Hause oder kann meinen Hund mitnehmen.
Ich suche einen Hund, der eng an mir orientiert ist, und empfinde einen Schattenhund nicht als anstrengend.
Ich habe täglich 60 bis 90 Minuten für Bewegung und Beschäftigung übrig.
Ich kann mit einem Hund leben, der Besuch und Geräusche meldet.
Ich bin bereit, das Alleinbleiben über Wochen kleinschrittig zu trainieren.
Ich möchte einen sensiblen Hund und kann selbst Ruhe ausstrahlen.
Ich habe Freude an Spiel, Tricks und gemeinsamer Aktivität, auch mit einem erwachsenen Hund.
Mich stört es nicht, dass Nähe bei dieser Rasse keine Phase ist, sondern das Lebensmodell.
Wenn du bei den meisten Punkten nickst und gerade überlegst, ob ein Havaneser-Welpe einziehen soll: Der Charakter entscheidet sich in den ersten Monaten.
Unser Welpen-Starterpaket Havaneser begleitet dich mit einem Woche-für-Woche-Plan durch genau diese Prägephase, von der Eingewöhnung über die ersten Regeln bis zum Alleinbleiben. Wenn du dagegen regelmäßig viele Stunden außer Haus bist und keine Betreuung organisieren kannst, ist der Havaneser trotz all seiner Qualitäten die falsche Wahl, und das sagen wir als bekennende Fans der Rasse.
Häufige Fragen zum Havaneser-Charakter
Sind Havaneser anhänglich?
Ja, Havaneser gehören zu den anhänglichsten Begleithunderassen überhaupt. Sie wurden gezielt für das Leben in enger Nähe zum Menschen gezüchtet und suchen diese Nähe den ganzen Tag.
Wie ist das Temperament eines Havanesers?
Lebhaft, aber ausgeglichen: kurze, intensive Energiephasen mit Spiel und Zoomies wechseln sich mit langen Ruhephasen ab. Voraussetzung für die Ruhe ist tägliche körperliche und geistige Auslastung.
Sind Havaneser leicht erziehbar?
Mit positiver Verstärkung lernen sie sehr schnell. Ihre Sensibilität erfordert jedoch eine ruhige und konsequente Erziehung, Härte funktioniert bei dieser Rasse nicht.
Sind Havaneser gute Familienhunde?
Ja, sie gelten als sehr familienfreundlich, verspielt und geduldig. Eng verwandt ist der Malteser, und wie sich das Wesen beider in einer Mischung zeigt, liest du im Havaneser-Malteser-Mix.
Sind Havaneser eher ruhig oder aktiv?
Die Rasse liegt im Mittelfeld: verspielt und aktiv, aber kein Hochleistungssportler. Ein ausgelasteter Havaneser ist in der Wohnung angenehm ruhig.
Gibt es Charakterunterschiede zwischen Rüde und Hündin?
Die individuellen Unterschiede sind bei dieser Rasse größer als die zwischen den Geschlechtern. Tendenzen wie "Rüden sind verspielter, Hündinnen eigenständiger" hört man oft, verlässlich ist aber vor allem: Prägung, Erziehung und die Linie des Züchters formen den Charakter stärker als das Geschlecht.
Ändert sich der Charakter im Alter?
Der Kern bleibt: menschenbezogen und freundlich. In der Pubertät wird getestet, ab dem Erwachsenenalter wird der Hund ausgeglichener, und Senioren werden ruhiger und noch anhänglicher, ohne die Verspieltheit ganz zu verlieren.
Heißt es Havaneser oder Havanese?
Beides ist korrekt. "Havaneser" ist die deutsche Bezeichnung, "Havanese" die internationale bzw. englische Schreibweise. Gemeint ist immer dieselbe Rasse, der kleine kubanische Begleithund aus der Bichon-Familie.
Fazit: Mehr als ein niedlicher Begleithund
Der Havaneser ist weit mehr als ein niedlicher Begleithund. Sein Charakter kombiniert starke Menschenbindung, hohe Intelligenz und verspieltes Temperament, und genau diese Mischung macht ihn zu einem außergewöhnlich engen Begleiter, verlangt aber auch Zeit, Nähe und tägliche Beschäftigung.
Wer bereit ist, beides zu geben, bekommt einen Hund, der seine Menschen liest wie kaum eine andere Rasse. Wer einen unabhängigen Hund für den Feierabend sucht, sollte ehrlich zu sich sein und weitersuchen. Fibi erinnert uns seit sechs Jahren täglich daran, wofür diese Rasse gemacht wurde: fürs Dabeisein.
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