Havaneser oder Bichon Frisé: Welche Rasse passt wirklich besser zu euch?
- Fibis Adventures

- 13. Mai
- 14 Min. Lesezeit
Kurzantwort
Havaneser und Bichon Frisé sehen sich auf Bildern oft ähnlich, sind aber im Alltag unterschiedlicher, als viele denken. Der Havaneser ist menschenbezogener, lernwilliger und etwas anhänglicher. Der Bichon Frisé ist fröhlicher, eigenständiger und manchmal ein kleiner Dickkopf. Beide brauchen viel Fellpflege, beide gelten als allergikerfreundlich, beide neigen zu Patellaluxation.
Wer einen sehr menschenbezogenen, kooperativen Begleithund will, fährt mit dem Havaneser oft besser. Wer einen lebhaften, charmanten Wirbelwind sucht, der gern mal seinen eigenen Kopf hat, ist beim Bichon Frisé richtig.
Wenn ihr gerade vor der Entscheidung zwischen einem Havaneser und einem Bichon Frisé steht, geht es euch wie uns vor 5 Jahren. Wir haben tagelang verglichen, gegoogelt, Züchterseiten gelesen, Foren durchforstet und am Ende festgestellt: Die meisten Vergleiche im Netz bleiben oberflächlich.
Genau deshalb gibt es diesen Artikel.
Wir leben jetzt seit über fünf Jahren mit der Havaneser-Hündin Fibi und haben durch unsere Hundeschulen, Reisen und Kontakte über die Jahre auch viele Bichon Frisé-Halter kennengelernt. Die Beobachtungen, die wir dabei gemacht haben, kommen in keinem Standard-Rasseportrait vor. Genau die schreiben wir hier auf.
Beide Rassen sind wunderschön, beide haben treue Fans, beide können großartige Familienhunde sein. Aber sie ticken im Alltag unterschiedlich, und das macht den Unterschied bei eurer Entscheidung aus.
Inhaltsverzeichnis
Auf einen Blick: der schnelle Vergleich
Wir beginnen mit der einzigen Tabelle, die ihr für einen ersten Überblick wirklich braucht. Alle Punkte werden danach ausführlich erklärt.
Merkmal | Havaneser | Bichon Frisé |
FCI-Standard | Nr. 250 (Bichon Havanais) | Nr. 215 |
Schulterhöhe | 23 bis 27 cm | bis 30 cm |
Gewicht | 4 bis 7 kg | 5 bis 10 kg |
Lebenserwartung | 13 bis 16 Jahre | 12 bis 15 Jahre |
Coren-Intelligenzranking | Platz 47 von 79 | Platz 68 von 79 |
Fellpflege | täglich bis 3 Mal pro Woche | täglich |
Bell-Verhalten | mittel | mittel bis hoch |
Allein bleiben | mit Training möglich | mit Training möglich, schwieriger |
Allergiker | meist gut verträglich | meist gut verträglich |
Welpenpreis 2026 | 2.200 bis 2.800 Euro | 1.500 bis 2.500 Euro |
Diese Zahlen sind Anhaltspunkte. Jeder Hund ist ein Individuum, und die Schwankungen innerhalb beider Rassen sind groß. Im Folgenden erklären wir, was die Werte im echten Alltag bedeuten.
Aussehen und Größe
Auf den ersten Blick wirken Havaneser und Bichon Frisé sehr ähnlich. Beide sind kleine, weiße bis cremefarbene Wollhunde mit langem Fell und großen, dunklen Augen. Aber wer genauer hinschaut, erkennt klare Unterschiede.
Der Havaneser
Der Havaneser ist mit 23 bis 27 cm Schulterhöhe etwas kleiner und mit 4 bis 7 kg leichter. Seine Ohren hängen lang und seidig herunter. Sein Fell ist lang, weich und kann in vielen Farben auftreten: weiß, creme, gold, schwarz, gestromt, mehrfarbig. Die Vielfalt ist enorm. Mehr dazu in unserem Artikel Havaneser Farben.
Fibi ist ein typisches Beispiel: hell-creme mit hellbeigen Akzenten, langes seidiges Fell, das wir aktuell mittellang halten. Sie wiegt 5,1 kg, was im Standardbereich liegt.
Der Bichon Frisé
Der Bichon Frisé wird bis zu 30 cm groß und wiegt meistens zwischen 5 und 10 kg. Sein Fell ist deutlich kraus-lockig und steht eher vom Körper ab als beim Havaneser. Der typische „Powder Puff"-Schnitt mit kugeligem Kopf und runden Pfoten ist eines der Markenzeichen.
Wichtig: Der Bichon Frisé existiert nach FCI-Standard ausschließlich in reinem Weiß. Cremefarbene Anteile sind bei Welpen erlaubt, sollten aber mit dem Erwachsenwerden verschwinden. Wenn euch ein „Bichon Frisé in Schwarz" oder „Bichon Frisé Mix" angeboten wird, ist das kein reinrassiger Bichon Frisé.
Was das in der Praxis bedeutet
Der Havaneser wirkt durch das hängende Fell und die langen Ohren oft etwas weicher und „seidiger". Der Bichon Frisé wirkt voluminöser und kompakter, fast wie ein lebendiges Plüschtier. Beide sind unter dem Fell überraschend zierlich. Wer das nicht weiß, ist nach dem ersten Bad oft erstaunt, wie klein die Hunde tatsächlich sind.
Charakter und Temperament
Hier liegen die größten Unterschiede zwischen den beiden Rassen, auch wenn das in Standard-Texten oft untergeht.
Der Havaneser im Charakter
Der Havaneser wurde ausschließlich als Begleit- und Gesellschaftshund gezüchtet. Diese Geschichte spürt ihr jeden Tag. Er sucht die Nähe seiner Menschen mit großer Intensität, ist freundlich zu Fremden, gut zu führen und meistens ausgeglichen.
Im Coren-Intelligenzranking liegt er auf Platz 47 von 79. Das klingt mittelmäßig, ist für Anfänger aber ideal. Er lernt schnell genug, dass Erziehung Spaß macht, aber nicht so blitzartig, dass wir als Halter den Anschluss verlieren.
Fibi ist genau dieser Typ: anhänglich, kooperativ, mit ausgeprägtem Wunsch, alles richtig zu machen. Wenn wir morgens aufstehen, wartet sie schon mit Schwanzwedeln. Wenn wir abends auf der Couch sitzen, kommt sie automatisch dazu.
Der Bichon Frisé im Charakter
Der Bichon Frisé ist im Schnitt lebhafter, temperamentvoller und dickköpfiger als der Havaneser. Er ist fröhlich, charmant und liebt seine Familie genauso, aber er ist nicht so „klebrig" wie der Havaneser. Manche Halter beschreiben ihn als „kleiner Clown mit eigenem Willen".
Bichon Frisés gelten als selbstbewusster und teilweise eigenwilliger. Sie sind oft etwas extrovertierter, machen gern auf sich aufmerksam und können sehr stürmisch begrüßen. Wer einen fröhlichen Wirbelwind sucht, ist hier richtig.
Was bedeutet das für euch?
Wenn ihr einen Hund wollt, der unauffällig im Alltag mitläuft, gerne kooperiert und sich an euch orientiert, ist der Havaneser oft die ruhigere Wahl. Wenn ihr einen Hund wollt, der mehr Eigenleben hat, fröhlicher und eigenständiger wirkt und auch mal seinen eigenen Kopf einsetzt, passt der Bichon Frisé besser.
Beide sind keine „Schoßhündchen". Beide haben Charakter. Aber der Bichon Frisé zeigt seinen Charakter lauter und der Havaneser leiser.
Intelligenz und Lernverhalten
Stanley Coren hat in „The Intelligence of Dogs" 79 Rassen nach Arbeits- und Gehorsamsintelligenz eingeordnet. Der Havaneser landet auf Platz 47, der Bichon Frisé auf Platz 68.
Was das wirklich bedeutet
Coren misst, wie oft ein Hund ein neues Kommando wiederholen muss, bis er es zuverlässig versteht. Havaneser brauchen 25 bis 40 Wiederholungen. Bichon Frisés brauchen oft 40 bis 80 Wiederholungen. Das heißt nicht, dass der eine dümmer ist als der andere. Es heißt nur, dass die Arbeitsbereitschaft beim Havaneser etwas höher ist.
In der Praxis: Beide lernen Sitz, Platz und Hier in den ersten Wochen. Beim Bichon Frisé müssen wir etwas mehr Wiederholungen einplanen, vor allem wenn der Hund gerade nicht in „Lernlaune" ist. Beim Havaneser kippt das Training schneller in den Spaßmodus, weil er aktiv mitdenken will.
Unsere Erfahrung mit Fibi
Wir haben Fibi in 5 Jahren beigebracht: Grundsignale, Rückruf, Tricks, Leinenführigkeit, Stubenreinheit innerhalb von 4 Monaten. Sie hat fast alles in der ersten Wiederholungs-Welle verstanden, weil sie wirklich kooperieren wollte. Detaillierter Trainingsplan in: Havaneser Rückruftraining und Havaneser stubenrein.
Was beim Bichon Frisé hilft
Wer einen Bichon Frisé erziehen will, muss konsequenter, kürzer und mit höheren Belohnungen arbeiten. Kurze Einheiten, viel Abwechslung, hochwertige Leckerlis. Wer denkt, dass „klein und süß" automatisch leicht erziehbar bedeutet, wird beim Bichon Frisé oft enttäuscht.
Beide Rassen reagieren übrigens schlecht auf harte Erziehung. Strafe funktioniert weder beim einen noch beim anderen.
Fell und Pflege im Alltag
Hier kommen wir zu einem Punkt, an dem viele Käufer unterschätzen, was auf sie zukommt. Sowohl Havaneser als auch Bichon Frisé sind echte Pflege-Hunde.
Beim Havaneser
Der Havaneser braucht drei bis vier intensive Bürstvorgänge pro Woche, je nach Felllänge. Bei langem Fell auch täglich. Alle 8 bis 12 Wochen ist ein Hundefriseurbesuch sinnvoll. Bei Fibi haben wir das tägliche 5-Minuten-Bürsten zur festen Routine gemacht, seit sie einmal eine Achselverfilzung hatte, die wir nur noch mit Schermaschine retten konnten.
Tieferer Einstieg: Havaneser Fellpflege, Havaneser Bürste und Entfilzen ohne Drama.
Beim Bichon Frisé
Beim Bichon Frisé ist die Pflege noch etwas intensiver. Sein lockiges Fell verfilzt schneller als das des Havanesers, weil die Locken sich enger ineinander verhaken. Tägliches Bürsten ist beim Bichon Frisé Pflicht, nicht Empfehlung. Alle 4 bis 6 Wochen ist ein Friseurbesuch üblich, um die typische Kugelform zu erhalten.
Ein Bichon-Frisé-Halter, den wir kennen, sagt es so: „Ich habe nicht gedacht, dass ich für einen 7-Kilo-Hund 90 Euro Friseurkosten alle 6 Wochen einplanen müsste." Das ist die ehrliche Realität.
Was beide Rassen gemeinsam haben
Beide haaren kaum sichtbar. Das klingt nach „pflegeleicht", ist es aber nicht. Was nicht auf den Boden fällt, bleibt im Fell hängen. Wer nicht regelmäßig bürstet, hat innerhalb von Wochen einen Hund voller Mattigkeit und Knoten.
Und beide brauchen regelmäßige Ohrenpflege. Vor allem der Havaneser durch seine Hängeohren. Mehr dazu in: Ohrenpflege beim Havaneser.
Familienleben mit Kindern
Beide Rassen sind grundsätzlich kinderfreundlich. Aber es gibt feine Unterschiede.
Der Havaneser mit Kindern
Der Havaneser gilt als geduldig, freundlich und tolerant. Er weicht Kindern selten aus, sondern sucht oft sogar deren Nähe. Bei kleinen Kindern muss man trotzdem aufpassen, weil seine zarten Gelenke nicht für rabiates Spielen gemacht sind. Wir haben dazu einen eigenen Artikel: Sind Havaneser kinderfreundlich.
Der Bichon Frisé mit Kindern
Der Bichon Frisé ist tendenziell etwas lebhafter und kann durch sein etwas robusteres Körperbau und seine fröhliche Art bei größeren Kindern (ab etwa 6 Jahren) noch besser mithalten. Bei sehr kleinen Kindern hat er allerdings das gleiche Problem wie der Havaneser: zarte Knochen und Gelenke, die Vorsicht erfordern.
Klarer Tipp
Mit Kleinkindern: beide Rassen gehen, aber konsequente Aufsicht und sichere Rückzugsorte für den Hund einplanen. Mit Grundschulkindern: beide Rassen wunderbar, der Bichon Frisé eventuell etwas spielfreudiger. Mit Teenagern: beide Rassen ideale Begleiter.
Andere Hunde, Katzen und Mehrhundehaushalt
Beide Rassen sind sozial und kommen meistens gut mit anderen Tieren aus. Aber auch hier gibt es Unterschiede.
Havaneser
Der Havaneser sucht aktiv den Kontakt zu anderen Hunden, ist freundlich und konfliktscheu. Mit Katzen klappt es in den meisten Fällen, wenn beide jung aneinander gewöhnt werden. Im Mehrhundehaushalt ist er ein Teamplayer. Wir haben dazu ausführlich geschrieben in: Der Havaneser im Mehrtierhaushalt und Ein Zweithund für den Havaneser.
Bichon Frisé
Der Bichon Frisé ist genauso freundlich, aber teilweise selbstbewusster. Manche Bichon Frisés zeigen mehr Energie im Spiel und können dadurch ungewollt rüpelig wirken. In der Sozialisierung in der Welpenzeit muss man hier oft etwas früher und konsequenter arbeiten.
Mehrhundehaushalt
Wenn ihr Wert auf einen sehr harmoniebedürftigen Hund legt, ist der Havaneser eher die Wahl. Wenn ihr Spielfreude und Action im Mehrhundehaushalt wollt, passt der Bichon Frisé.
Alltag in Wohnung, Stadt und Garten
Beide Rassen passen problemlos in eine Stadtwohnung. Aber „passen" heißt nicht automatisch „glücklich". Es kommt darauf an, wie viel ihr ihnen drumherum bietet.
Bewegung
Beide brauchen pro Tag etwa 60 bis 90 Minuten Bewegung als Erwachsene. Aufgeteilt in zwei bis drei Spaziergänge. Mehr dazu in: Wie viel Auslauf braucht ein Havaneser.
Beide sind keine Sportskanonen. Beide vertragen aber durchaus auch mal eine längere Wanderung, wenn das Tempo passt.
Stadt versus Land
In der Stadt kommen beide gut zurecht, solange sie schon als Welpe sozialisiert wurden. Auf dem Land genießen beide den Auslauf. Der Bichon Frisé hat tendenziell mehr Bewegungsdrang und freut sich über Garten oder Wiese.
Treppen
Beide Rassen sollten in den ersten 6 Monaten und bei bekanntem Patella-Risiko keine Treppen steigen. Das gilt für beide gleichermaßen. Mehr dazu in: Havaneser und Treppensteigen.
Allein lassen
Beide Rassen wurden als Begleithunde gezüchtet, beide haben starke Bindungen zu ihren Menschen, beide neigen ohne Training zu Trennungsstress.
Wo der Unterschied liegt
Der Havaneser ist im Schnitt etwas „klebriger" und sucht aktiv die Nähe. Wenn das Alleinbleiben jedoch sauber aufgebaut wurde, bleibt er ruhig und entspannt. Mehr in: Havaneser alleine lassen lernen und Trennungsstress beim Havaneser.
Der Bichon Frisé wirkt manchmal eigenständiger, ist aber emotional oft sogar sensibler. Wenn beim Bichon Frisé Trennungsstress entsteht, äußert er ihn häufiger durch lautes Bellen und Zerstören. Hier ist konsequenter Aufbau noch wichtiger.
Gemeinsamer Tipp
Beide Rassen sind nicht für Vollzeit-Berufstätige geeignet, die acht Stunden täglich außer Haus sind, es sei denn, es gibt ein gutes Betreuungs-System mit Sitter oder Hundetagesstätte.
Allergiker und Haaren
Beide Rassen werden oft als „hypoallergen" beworben. Das ist nicht ganz richtig, aber nah dran.
Realität
Beide Rassen verlieren wenig Haare, weil sie einen langen Haarzyklus haben, ähnlich wie Menschen. Das reduziert die Allergenbelastung in der Wohnung deutlich. Garantiert ist aber kein Hund hypoallergen, weil die meisten Allergien nicht durch Haare, sondern durch Speichel und Hautschuppen ausgelöst werden.
Was wir empfehlen
Wenn ihr oder ein Familienmitglied Allergien habt, testet vor dem Kauf eindeutig mit einem echten Bichon-Frisé- oder Havaneser-Welpen aus dem Wurf. Auch hier gibt es individuelle Schwankungen. Mehr dazu für den Havaneser in: Sind Havaneser für Allergiker geeignet.
Beide Rassen gelten als gleich gut für Allergiker geeignet. Hier ist die individuelle Reaktion wichtiger als die Rassenwahl.
Typische Krankheiten und Gesundheit
Auch wenn beide Rassen als grundsätzlich robust gelten, gibt es typische Erkrankungen, die ihr kennen solltet.
Beim Havaneser
Patellaluxation (Kniescheibe rutscht heraus) ist die häufigste orthopädische Erkrankung. Bei Kleinrassen rutscht in 75 bis 80 Prozent der Fälle die Kniescheibe nach innen (medial). Die genetische Veranlagung liegt bei 25 bis 30 Prozent. Mehr dazu in: Patellaluxation Anzeichen und Patellaluxation OP-Kosten.
Weitere häufige Themen: Katarakt (Grauer Star), Allergien, Tränenflecken (siehe: Tränenflecken beim Havaneser).
Krümel, unser Goldendoodle, hatte mit circa 3 Jahren zwei Patella-OPs. Die Kosten lagen bei knapp 6000 Euro, wenn diese nicht von der Versicherung getragen worden wäre.
Beim Bichon Frisé
Patellaluxation ist auch beim Bichon Frisé häufig, mit ähnlichen Häufigkeiten wie beim Havaneser. Dazu kommen typischerweise: Allergien (oft Hautallergien, etwas häufiger als beim Havaneser), Tränenflecken (sehr häufig wegen der weißen Fellfarbe), Blasensteine, Zahnprobleme (besonders Zahnstein) und gelegentlich Mitralklappenerkrankungen im Alter.
Was beide gemeinsam haben
Beide gehören zur Gruppe der Kleinrassen mit empfindlichen Knien und sollten in den ersten Monaten geschont werden. Beide brauchen regelmäßige Zahnpflege. Beide profitieren von Augenkontrollen ab dem Senior-Alter.
Klare Empfehlung: Hundekrankenversicherung VOR dem Welpenkauf abschließen. Vorerkrankungen sind später nicht mehr versicherbar.
Lebenserwartung
Hier liegt der Havaneser leicht vorne.
Havaneser
13 bis 16 Jahre bei guter Pflege. Einzelne Tiere werden auch 17 Jahre alt. Verlässliche Quelle: AKC, FCI.
Bichon Frisé
12 bis 15 Jahre bei guter Pflege. Einzelne Tiere erreichen ebenfalls 16 oder mehr Jahre. Verlässliche Quelle: AKC.
Beide Rassen sind also langlebig. Der Unterschied ist statistisch klein, im Einzelfall aber spürbar. Wer rechnet, sollte mit 13 bis 16 Jahren Hundeleben planen.
Mehr dazu: Wie alt werden Havaneser.
Preis und laufende Kosten
Auch hier gibt es klare Unterschiede.
Welpenpreis 2026
Der Havaneser kostet bei seriösen Züchtern in Deutschland zwischen 2.200 und 2.800 Euro. Der Bichon Frisé liegt bei etwa 1.500 bis 2.500 Euro. Der Preisunterschied erklärt sich teilweise durch die geringere Verbreitung des Havanesers in Deutschland und die etwas höheren Zucht-Standards in vielen VDH-Vereinen.
Achtung: Niedrigere Preise (unter 1.500 Euro) sollten misstrauisch machen. Wenn euch ein Welpe deutlich günstiger angeboten wird, ist oft Vermehrer-Zucht im Spiel.
Erstausstattung
Etwa 400 bis 600 Euro für Körbchen, Leinen, Geschirr, Näpfe, Spielzeug und Transportbox. Bei beiden Rassen identisch.
Laufende Kosten pro Monat
Beide kosten zwischen 135 und 205 Euro monatlich für Futter, Versicherung, Tierarzt-Rücklage, Hundesteuer und Pflege.
Beim Bichon Frisé fallen die Friseurkosten etwas häufiger an (alle 4 bis 6 Wochen), beim Havaneser etwas seltener (alle 8 bis 12 Wochen). Über das Jahr gerechnet 200 bis 400 Euro mehr beim Bichon Frisé.
Lebenszeit-Bilanz
Bei 15 Jahren Hundeleben kommt ihr auf 24.000 bis 37.000 Euro Gesamtkosten plus eventuelle OPs und Therapien. Beim Bichon Frisé tendenziell etwas mehr durch häufigere Pflege-Termine.
Mehr dazu in: 1. Jahr Tierarztkosten für Havaneser.
Wer passt zu welcher Lebenssituation?
Hier kommt die zweite und letzte Tabelle. Sie soll euch die Entscheidung erleichtern.
Lebenssituation | Havaneser ideal | Bichon Frisé ideal |
Erste Hundeerfahrung | sehr gut, kooperativ und kompromissbereit | gut, aber konsequente Erziehung nötig |
Familie mit kleinen Kindern | sehr gut, ruhig und geduldig | gut, lebhafter und stürmischer |
Senioren | ideal, anpassungsfähig und ruhig | sehr gut, lebhafter, hält geistig fit |
Single in der Stadt | ideal, anhänglich und unkompliziert | gut, etwas mehr Eigenleben |
Vollzeit-Berufstätige | schwierig ohne Betreuung | sehr schwierig ohne Betreuung |
Wanderer und Aktive | gut bis sehr gut, kompakter Begleiter | gut, etwas robuster im Spiel |
Allergiker | meist gut verträglich | meist gut verträglich |
Mehrhundehaushalt | sehr gut, harmoniesüchtig | sehr gut, spielfreudig |
Unser ehrlicher Vergleich nach 5 Jahren mit Fibi
Wir sagen es offen: Wir haben uns für den Havaneser entschieden und würden es wieder tun. Aber das heißt nicht, dass der Bichon Frisé eine schlechtere Wahl ist.
Was uns am Havaneser besonders gefällt
Die ruhige, kooperative Art. Fibi will gefallen, sie will dabei sein, sie will Teil unseres Lebens sein. Sie ist nicht aufdringlich, aber immer da. Diese Mischung ist sehr selten und sehr besonders.
Was wir am Bichon Frisé schätzen
Die Lebensfreude und der unbändige Charme. Bichon Frisés, die wir kennen, bringen eine fröhliche Energie ins Haus, die ansteckend ist. Sie sind kleine Stimmungsbarometer, die mit Leichtigkeit jeden Raum füllen.
Wenn wir uns heute neu entscheiden müssten
Wäre es wieder der Havaneser. Nicht, weil der Bichon Frisé schlechter ist, sondern weil unser Alltag und unser Bedürfnis nach einem ruhigen, kooperativen Mitbewohner besser zum Havaneser passt.
Wenn ihr aber gerne Bewegung, Spiel und ein bisschen kontrollierte Action ins Haus holt, ist der Bichon Frisé eine wunderbare Wahl.
Wenn bald ein Welpe bei euch einzieht
Egal, für welche der beiden Rassen ihr euch entscheidet: Die ersten Tage und Wochen entscheiden über die nächsten 15 Jahre. Genau deshalb haben wir unser Welpen-Starterpaket für Havaneser gebaut. Es ist konzipiert für die typischen Stolperfallen am Anfang: Stubenreinheit, erste Alleinzeit, Schlafplatz, Tagesrhythmus, Bürsten lernen, erste Signale, ruhige Sozialisierung.
Vieles davon lässt sich auch sinngemäß auf den Bichon Frisé übertragen, weil die Grundprinzipien guter Welpenarbeit für alle Begleithunde gelten. Wer von Tag eins an mit Struktur arbeitet, spart später hunderte von Korrektur-Stunden.
Häufige Fragen zum Vergleich
1. Sind Havaneser und Bichon Frisé verwandt?
Ja, beide gehören zur Bichon-Familie und stammen aus dem Mittelmeerraum. Der Havaneser entstand in Kuba aus europäischen Bichon-Vorfahren, der Bichon Frisé direkt im Mittelmeerraum.
2. Welche Rasse haart weniger?
Beide haaren ähnlich wenig. Der Unterschied ist im Alltag kaum spürbar. Beide gelten als gut für Allergiker geeignet.
3. Welche Rasse ist intelligenter?
Im Coren-Ranking liegt der Havaneser auf Platz 47, der Bichon Frisé auf Platz 68. Beide sind klug, aber der Havaneser hat etwas mehr Arbeitsbereitschaft.
4. Welche Rasse bellt mehr?
Tendenziell der Bichon Frisé, vor allem als Wachmelder. Beide können aber gut bei Bell-Verhalten trainiert werden. Mehr in: Sind Havaneser Kläffer.
5. Welche Rasse ist kinderfreundlicher?
Beide sind sehr kinderfreundlich. Der Havaneser ist tendenziell ruhiger, der Bichon Frisé lebhafter und damit eher für aktive Familien geeignet.
6. Welche Rasse braucht mehr Bewegung?
Beide brauchen 60 bis 90 Minuten pro Tag. Der Bichon Frisé hat tendenziell etwas mehr Bewegungsdrang.
7. Welche Rasse lebt länger?
Der Havaneser hat im Schnitt eine leicht höhere Lebenserwartung (13 bis 16 Jahre) als der Bichon Frisé (12 bis 15 Jahre).
8. Welche Rasse ist günstiger?
Im Anschaffungspreis ist der Bichon Frisé meist günstiger (1.500 bis 2.500 Euro statt 2.200 bis 2.800 Euro), in den laufenden Pflegekosten leicht teurer durch häufigere Friseurbesuche.
9. Welche Rasse ist pflegeleichter?
Beide brauchen tägliche bis dreimal wöchentliche Fellpflege. Der Bichon Frisé tendenziell etwas intensiver wegen der engeren Locken.
10. Kann ein Anfänger einen Bichon Frisé halten?
Ja, aber er erfordert mehr Konsequenz als ein Havaneser. Beide sind grundsätzlich anfängergeeignet, der Havaneser ist aber etwas einfacher.
11. Welche Rasse ist besser für Senioren?
Beide sind ideale Seniorenhunde. Der Havaneser ist tendenziell ruhiger, der Bichon Frisé hält etwas mehr in Schwung.
12. Wie unterscheiden sich die Fellfarben?
Der Havaneser kommt in vielen Farben (weiß, creme, gold, schwarz, gestromt, mehrfarbig). Der Bichon Frisé ist nach FCI-Standard ausschließlich weiß.
13. Welche Rasse braucht weniger Friseur?
Der Havaneser (alle 8 bis 12 Wochen) im Vergleich zum Bichon Frisé (alle 4 bis 6 Wochen).
14. Sind beide Rassen für die Wohnung geeignet?
Ja, beide sind klassische Wohnungshunde und kommen ohne Garten gut zurecht.
15. Welche Rasse trinkt mehr?
Hier gibt es keine relevanten Unterschiede. Kleine Hunde trinken oft zu wenig, beide Rassen können betroffen sein. Mehr in: Trinken lernen.
16. Welche Rasse ist robuster?
Der Bichon Frisé wirkt durch sein etwas robusteres Körperbau widerstandsfähiger, aber gesundheitlich sind beide ähnlich empfindlich (Patella, Allergien).
17. Welche Rasse ist besser für Mehrhundehaushalte?
Beide sind sehr verträglich. Der Havaneser sucht Harmonie, der Bichon Frisé bringt Spielenergie ein. Beide passen in einen Mehrhundehaushalt.
18. Welche Rasse ist anfälliger für Trennungsstress?
Beide sind anfällig. Der Bichon Frisé reagiert oft lauter und expressiver, der Havaneser oft stiller und körperlich (zitternd, klammernd).
19. Welche Rasse ist häufiger in Deutschland?
Der Bichon Frisé ist in Deutschland etwas verbreiteter und damit auch leichter zu finden. Der Havaneser ist seltener und entsprechend manchmal mit Wartezeiten verbunden.
20. Wie entscheide ich mich am Ende?
Stellt euch ehrlich die Frage: Wollt ihr einen ruhigen, kooperativen, klebrigen Begleiter (Havaneser) oder einen lebhaften, charmanten, etwas eigenständigen Spielkameraden (Bichon Frisé)? Beide Antworten sind richtig, aber nur eine passt zu euch.
Fazit: Es gibt kein „besser", es gibt nur „besser für euch"
Wenn wir diesen Vergleich auf einen Satz reduzieren müssten, dann diesen:
Der Havaneser ist der ruhigere, kooperativere und etwas anhänglichere kleine Begleithund. Der Bichon Frisé ist der lebhaftere, fröhlichere und etwas eigenständigere Cousin.
Beide sind großartige Familienhunde. Beide brauchen viel Pflege. Beide leben lange. Beide gelten als gut für Allergiker. Beide verstehen sich mit Kindern und anderen Hunden.
Der wahre Unterschied liegt im Tagesgefühl. Wer den Havaneser hat, lebt mit einem stillen Schatten, der immer mitfühlt. Wer den Bichon Frisé hat, lebt mit einem fröhlichen Clown, der jeden Tag ein bisschen Bühne braucht.
Beide Antworten sind gültig. Beide Hunde sind wundervoll. Es gibt kein „besser", es gibt nur „besser für euch".
Wir wünschen euch eine gute Entscheidung und ein langes, glückliches Hundeleben mit eurer Wahl.
Quellen und Referenzen
FCI-Standard Nr. 250: Bichon Havanais (Havaneser)
FCI-Standard Nr. 215: Bichon à Poil Frisé
American Kennel Club (AKC): Havanese und Bichon Frise Breed Information
Stanley Coren: The Intelligence of Dogs (Havaneser Platz 47, Bichon Frisé Platz 68 von 79)
Bichon Frise Club of America (BFCA)
Havanese Club of America (HCA)



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