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Sind Havaneser Kläffer? Erfahrung, Gründe & Training

Aktualisiert: 24. Aug.

„Ihr holt euch einen Havaneser? Diese kleinen Kläffer, die bei jedem Blatt bellen?" Den Satz haben wir mehr als einmal gehört, bevor Fibi einzog.


Fünf Jahre später können wir ihn beantworten. Die Kurzfassung steht gleich hier drunter. Die interessantere Antwort steht ein Stück weiter unten, denn es gibt tatsächlich eine Phase, in der fast jeder Havaneser-Halter das Gegenteil erlebt.


Sind Havaneser Kläffer?


Nein, Havaneser sind keine Dauerkläffer.


Sie melden Besuch und Geräusche kurz, typischerweise drei bis zehn Sekunden, und hören dann von selbst wieder auf. Grundloses Dauerbellen ist bei dieser Rasse kein Rassemerkmal, sondern ein Symptom für Langeweile, Stress oder ungewollt antrainiertes Verhalten.


Eine Ausnahme gibt es. Zwischen dem sechsten und dem achtzehnten Lebensmonat kippt das bei vielen. Bei Fibi fing es mit neun Monaten an, plötzlich war jedes Geräusch im Treppenhaus einen Kommentar wert. Vier Wochen später war es weitgehend weg. Wie, steht weiter unten im Artikel.


Hier auch als Video:



Inhaltsverzeichnis




Melden oder Kläffen: der Unterschied in zehn Sekunden


Bevor du irgendetwas trainierst, brauchst du diese Unterscheidung. Sie entscheidet, ob du überhaupt ein Problem hast.


Melden

Kläffen

Dauer

drei bis zehn Sekunden

hält an, oft minutenlang

Auslöser

klar erkennbar, Klingel, Geräusch

verselbstständigt sich, oft ohne Anlass

Abbruch

hört von selbst auf oder auf einen Blick

schwer zu unterbrechen

Körper

aufmerksam, dann entspannt

angespannt, hochfrequent, aufgeregt

Bewertung

normal, kein Trainingsthema

Trainingsthema

Stopp beim nächsten Mal die Zeit. Wenn dein Hund bei der Klingel bellt, zum Wohnzimmer schaut und dann weiterschläft, hast du einen normalen Havaneser. Wenn er noch bellt, während der Besuch schon am Tisch sitzt, ist das etwas anderes.

Der Rest dieses Artikels ist für den zweiten Fall geschrieben.


Was der Rassestandard tatsächlich sagt


Hier ist der Punkt, an dem fast alle Rasseportraits ungenau werden, unseres früher übrigens auch.

Der Havaneser ist im FCI-Standard Nr. 250 beschrieben, Gruppe 9, Gesellschafts- und Begleithunde. Und dort steht im Abschnitt Verhalten und Charakter wörtlich:

Speziell aufgeweckt und leicht zum alarmgebenden Hund zu erziehen; liebevoll und fröhlich, anziehend, bezaubernd, spielerisch, sogar etwas närrisch. Er liebt Kinder und spielt unentwegt mit ihnen. FCI-Standard Nr. 250, Fassung vom 12.12.2016

„Leicht zum alarmgebenden Hund zu erziehen." Das steht so im offiziellen Rassestandard.


Wer also behauptet, Havaneser bellen nicht, hat den Standard nicht gelesen. Melden gehört zur Rasse, und zwar ausdrücklich.


Was dort nicht steht, ist ebenso wichtig. Der Havaneser wurde nicht als Wach- oder Schutzhund gezüchtet und nicht darauf selektiert, jemanden zu vertreiben. Er meldet, und dann ist Schluss. Aggressive oder übermäßig ängstliche Hunde gelten im Standard sogar ausdrücklich als disqualifizierender Fehler.


Daraus ergibt sich die ehrliche Antwort auf die Ausgangsfrage: Ein Havaneser, der meldet, entspricht der Rasse. Ein Havaneser, der zwanzig Minuten am Fenster durchbellt, entspricht ihr nicht.


Wie viel bellt ein Havaneser im Vergleich?


Vorweg eine Einordnung:


Es gibt keine Studie, die Hunderassen nach Bellfreudigkeit misst.


Es gibt aber Einschätzungen der Zuchtverbände. Der American Kennel Club bewertet den Barking Level beim Havaneser mit 4 von 5, also hoch. Gleichzeitig schreibt er im selben Rasseportrait, Havaneser hielten das Bellen kurz.


Genau darin liegt der Unterschied, um den es in diesem Artikel geht. Ein Havaneser gibt gern Laut. Er hört aber auch schnell wieder auf.


Was es gibt, sind Erfahrungswerte aus der Praxis, aus Züchtergesprächen und aus Halterbefragungen. Unsere Einordnung nach fünf Jahren Havaneser, zwei Hunden im Haushalt und vielen Gesprächen mit anderen Haltern sieht so aus:

Rasse

Bell-Neigung

Warum

Chihuahua

sehr hoch

ausgeprägt territorial

Pomeranian

sehr hoch

reagiert auf alles, was sich bewegt

Zwergschnauzer

hoch

echter Wachtrieb

Yorkshire Terrier

hoch

Terrier-Wachverhalten

Dackel

hoch

Jagd-Bell-Trieb, tiefer Ton

Malteser

mittel bis hoch

neigt zum Kläffen, wenn allein

Havaneser

niedrig bis mittel

meldefreudig, aber kurz. Bellt oft, hört aber schnell wieder auf

Bologneser

niedrig bis mittel

ähnlich wie der Havaneser

Bichon Frisé

mittel

wachsamer als der Havaneser

Cavalier King Charles

niedrig

sehr ruhige Rasse

Französische Bulldogge

niedrig

eher schnaufend als bellend

Mops

niedrig

kaum Bell-Impulse

Das ist eine Einschätzung, keine Messung. Einzelne Havaneser bellen viel, einzelne Chihuahuas fast nie.

Und der wichtigste Satz zu dieser Tabelle: Innerhalb einer Rasse sind die Unterschiede größer als zwischen den Rassen. Ob dein Hund viel bellt, entscheidet sich nicht daran, was in seinem Ahnenpass steht.


Die acht Gründe, warum dein Havaneser bellt


Wenn du gleich zum Trainingsteil springen willst: Lies trotzdem diesen Abschnitt. Fast alle gescheiterten Trainingsversuche scheitern daran, dass am falschen Auslöser gearbeitet wurde.


1. Melden bei Besuch und Geräuschen


Der häufigste und harmloseste Grund. Paketbote, raschelnde Tüte im Treppenhaus, Bewegung auf der Straße. Kurzes Bellen, Blick zu dir, fertig. Solange es nach wenigen Sekunden aufhört, ist das keine Baustelle, sondern der Rassestandard in Aktion.


2. Aufmerksamkeit einfordern


Hier fängt es an zu kippen. Wenn dein Hund gelernt hat, dass Bellen dich zuverlässig aufstehen lässt, hinsehen lässt oder zur Futterschüssel bewegt, wird er weiterbellen. Auch ein genervtes „Schsch" ist Aufmerksamkeit, und für einen menschenbezogenen Havaneser reicht das als Belohnung.

Typische Situationen: der Napf vor der Fütterung, die Jacke am Haken, das Spielzeug außer Reichweite, du am Frühstückstisch.


3. Langeweile und Unterforderung


Ein unausgelasteter Havaneser sucht sich Beschäftigung. Er kommentiert Geräusche, bellt aus dem Fenster, unterhält sich mit sich selbst. Das ist kein Ungehorsam, sondern ein Hund mit leerem Kopf.

Drei kurze Runden zum Lösen reichen einem aufgeweckten Havaneser nicht. Kopfarbeit zählt dabei mehr als Kilometer. Was bei uns funktioniert, steht in Beschäftigung für Havaneser drinnen.


4. Trennungsstress


Havaneser sind sehr menschenbezogen, manche zu sehr. Wer nicht gelernt hat, allein zu bleiben, bellt und jault, sobald die Tür zufällt. Das ist kein Erziehungsversagen, sondern Stress, und Stress trainiert man nicht weg.

Hier hilft der Trainingsplan weiter unten nicht. Fang stattdessen bei Trennungsstress erkennen und Alleinbleiben lernen an.


5. Unsicherheit und Angst


Ein unsicherer Hund bellt, um Abstand zu schaffen. Das Bild dazu ist eindeutig: Der Hund bellt nach vorn, bewegt sich dabei aber rückwärts oder hinter deine Beine. Das ist keine Aggression, sondern eine Bitte um Distanz.

Schimpfen verschlimmert das zuverlässig, weil zur Unsicherheit noch Ärger dazukommt.


6. Aufregung und Freude


Rute hoch, Körper vibriert, hoher Ton, Hund dreht sich im Kreis. Klassisch beim Anleinen, beim Heimkommen, beim Hundekontakt. Harmlos, aber laut. Lässt sich gut über das Ritual lösen: erst ankommen, dann begrüßen, und zwar erst wenn der Hund ruhig ist.


7. Frust an Barrieren


Hund steht hinter Gartenzaun, Balkongitter oder Autoscheibe und bellt den Artgenossen an, den er nicht erreichen kann. Je öfter das passiert, desto fester sitzt das Muster.

Die Lösung ist hier keine Erziehung, sondern Sichtschutz. Milchglasfolie, Vorhang, oder den Hund nicht angebunden vor dem Supermarkt warten lassen.


8. Medizinische Ursachen


Weniger bekannt und trotzdem real. Plötzliches, untypisches Bellen kann auf Schmerzen, nachlassendes Hören oder Sehen, hormonelle Veränderungen oder kognitive Einschränkungen hindeuten.


Die Faustregel: Wenn sich das Bellverhalten plötzlich und ohne erkennbaren Anlass ändert, gehört ein Tierarztbesuch vor jedes Training.


Wann Bellen normal ist: Welpe, Junghund, Senior

Alter

Was typisch ist

Was du tun solltest

8 bis 12 Wochen

kaum Bellen, eher Fiepen

normales Welpentraining

3 bis 6 Monate

erste Bell-Versuche, meist spielerisch

wenig korrigieren, Ruhe belohnen

6 bis 12 Monate

deutlich mehr, oft lautstark

Konsequenz, Struktur, Ruhe üben

1 bis 3 Jahre

stabilisiert sich

eingefahrene Muster gezielt angehen

3 bis 8 Jahre

stabiles Erwachsenenverhalten

gelegentlich auffrischen

ab 8 Jahren

kann wieder zunehmen

Tierarztcheck vor Training

Der kritische Bereich ist die Zeile mit sechs bis zwölf Monaten. In der Pubertät gewinnen viele Halter den Eindruck, ihr netter Welpe sei über Nacht zum Kläffer geworden.


Das stimmt so nicht. Die Pubertät macht Bellen lauter, nicht neu. Was in den ersten sechs Monaten an Ruhe und Struktur gelegt wurde, zahlt sich jetzt aus. Oder eben nicht.


Die Zeit direkt nach dem Einzug entscheidet deshalb mehr als alles, was danach kommt. Vieles, was später wie ein Verhaltensproblem aussieht, entsteht in den ersten Wochen durch Unsicherheit und fehlende Routinen. Für diese Phase haben wir das Welpen-Starterpaket Havaneser geschrieben, 228 Seiten zu genau diesen ersten Monaten.

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Fibis Bell-Geschichte


Die ersten Monate war Fibi fast nie laut. Wir dachten ernsthaft, wir hätten den einen ruhigen Havaneser erwischt.


Mit neun Monaten war das vorbei. Es fing mit der Klingel an, dann kam die Müllabfuhr dazu, dann die Rose, die gegen das Fenster wehte. Innerhalb von zwei Wochen war jedes Geräusch einen Kommentar wert. Theresa wohnte damals bei ihren Eltern und es gab also reichlich Geräusche.


Unser erster Reflex war der falsche. Wir haben sie beschäftigt. Mehr Runden, mehr Spiel, mehr Training. Es wurde schlimmer. Rückblickend ist klar warum: Sie war nicht unterfordert, sie war überdreht und übermüdet. Ein Hund, der nicht runterkommt, bellt mehr, nicht weniger.


Der zweite Fehler war subtiler. Jedes Mal, wenn sie bellte, sind wir aufgestanden und haben nachgesehen. Aus ihrer Sicht war das ein funktionierendes System: bellen, und die Menschen kommen.


Erst mit einer Hundetrainerin und in unserer gemeinsamen Wohnung, in der noch mehr Action im Treppenhaus war, kam das Training.


Was dann geholfen hat, war unspektakulär. Wir haben eine Woche lang nur mitgeschrieben, wann sie bellt und worauf. Danach war klar, dass es im Kern zwei Auslöser waren und nicht zehn. Wir haben Sichtschutz ans Fenster geklebt, ihren Platz von der Wohnungstür weggeschoben und angefangen, Ruhe zu belohnen statt auf Bellen zu reagieren.


Nach etwa vier Wochen war der Alltag wieder ruhig. Bis heute meldet sie, wenn jemand vor der Tür steht, und hört nach ein paar Sekunden von selbst auf. Genau das war unser Ziel. Wir wollten nie einen Hund, der gar nichts mehr sagt.


Dass wir diese Zeitpunkte noch so genau wissen, liegt daran, dass wir sowas aufschreiben. Bei uns steht es im Abenteuerbuch, zwischen dem ersten Spaziergang und dem ersten Tierarztbesuch. Drei Jahre später erinnert man sich sonst nur noch daran, dass es „irgendwann in der Pubertät" schlimm war.



Schritt für Schritt: Bellen in vier Wochen reduzieren


So sind wir bei Fibi vorgegangen. Kein Rezept, sondern der Weg, der bei uns funktioniert hat.

Er hat eine Eigenheit, die viele überrascht: In der ersten Woche trainierst du nichts. Das ist kein Aufwärmen, sondern der Teil, an dem die meisten Versuche scheitern.


Woche 1: zählen und wegnehmen


Ziel: herausfinden, worauf dein Hund wirklich reagiert, und ihn so wenig wie möglich bellen lassen.


Führ eine Woche lang ein Bell-Protokoll. Eine Notiz auf dem Handy reicht: Uhrzeit, Auslöser, wie lange, was du gemacht hast. Nach sieben Tagen siehst du ein Muster, und meistens sind es zwei oder drei Auslöser, nicht zehn.

Gleichzeitig nimmst du weg, was sich wegnehmen lässt. Sichtschutzfolie ans Balkongitter, Vorhang ans Fenster zur Straße, das Hundebett weg von der Wohnungstür, leises Radio als Grundrauschen gegen Treppenhausgeräusche.

Das klingt nach Ausweichen und ist trotzdem der stärkste Einzelschritt. Jedes Bellen, das stattfindet, übt das Bellen. Ein Hund, der zwanzigmal am Tag am Fenster kläfft, wird darin jeden Tag ein bisschen besser. Wer den Auslöser wegnimmt, stoppt das Üben sofort.

Prüf in dieser Woche außerdem den Schlaf. Ein übermüdeter Hund bellt mehr, reagiert schneller und kommt schlechter runter. Mehr dazu in Havaneser kommt nicht zur Ruhe.


Typischer Fehler: sofort mit Training anfangen und dabei am falschen Auslöser arbeiten.


Woche 2: Ruhe belohnen, bevor gebellt wird


Ziel: Aufmerksamkeit vom Bellen entkoppeln und ein Alternativverhalten aufbauen.

Die meisten Halter reagieren erst, wenn gebellt wird. Aufstehen, hingucken, „Schsch". Aus Hundesicht ist das eine zuverlässige Methode, jemanden in Bewegung zu setzen.

Dreh das um. Immer wenn dein Hund von selbst ruhig ist, sagst du kurz „Fein" und gibst ihm etwas. Zehn bis zwanzig Mal am Tag, im Vorbeigehen. Das kostet keine zusätzliche Zeit und ist die wirksamste Übung des ganzen Plans.


Parallel baust du das Alternativverhalten auf, also das, was er statt Bellen tun soll. Bei uns ist das die Decke. Zwei bis fünf Minuten am Stück, mehrmals täglich, erst nur hingehen, dann kurz bleiben, dann länger.


Wichtig ist, was du in dieser Woche nicht machst: an der Klingel üben. Die Decke muss sitzen, bevor ein Auslöser dazukommt.


Typischer Fehler: das Alternativverhalten in der Situation üben wollen, in der es später klappen soll. Ein Hund, der schon aufgeregt ist, lernt nichts Neues.


Woche 3: den Auslöser in kleiner Dosis zurückholen


Ziel: der Auslöser soll etwas Gutes ankündigen statt Alarm auszulösen.


Jetzt kommt der Reiz zurück, aber so schwach, dass dein Hund ihn bemerkt, ohne zu bellen. Bei der Klingel nimmst du eine Aufnahme auf dem Handy und spielst sie sehr leise ab. Beim Fenster-Bellen arbeitest du nicht mit Lautstärke, sondern mit Abstand.

Die Reihenfolge entscheidet über den Erfolg. Erst der Reiz, dann das Futter. Nicht warten, ob er bellt, sondern direkt danach geben. Nach einigen Durchgängen dreht sich sein Kopf bei der Klingel zu dir statt zur Tür. Genau das ist das Ziel.

Dann steigerst du, in kleinen Schritten, über mehrere Tage.

Die Regel für die ganze Woche lautet: Wenn er bellt, war die Dosis zu hoch. Nicht schimpfen, einfach leiser oder weiter weg und beim nächsten Mal kleiner steigern.

Wenn die Türklingel bei euch der Hauptauslöser ist, haben wir dazu einen eigenen Beitrag mit allen Zwischenschritten: Hund bellt beim Klingeln abgewöhnen.


Typischer Fehler: zu schnell lauter werden. Drei ruhige Durchgänge sind mehr wert als einer, bei dem er wieder loslegt.


Woche 4: zusammensetzen und in den Alltag holen


Ziel: aus der Übung wird Alltag.


Jetzt hängst du beides aneinander: Klingel, Decke, Futter. Erst mit der Aufnahme, dann mit der echten Klingel, dann mit echtem Besuch.

Danach variierst du alles, was sich variieren lässt. Anderer Raum, andere Tageszeit, andere Person, Klingel und Klopfen. Hunde verallgemeinern schlecht. Was im Flur klappt, klappt nicht automatisch im Wohnzimmer.

Zum Schluss dünnst du die Belohnung aus. Nicht mehr jedes Mal, sondern unregelmäßig. Unregelmäßige Belohnung hält ein Verhalten stabiler als eine, auf die immer Verlass ist.


Typischer Fehler: aufhören, sobald es klappt. Ein oder zwei Wiederholungen pro Woche halten das Ganze über Jahre.


Der Teil, den kaum jemand dazusagt: erst wird es schlechter


Wenn Bellen bisher funktioniert hat und plötzlich nicht mehr funktioniert, bellt dein Hund als Erstes lauter und länger. Meistens am dritten bis fünften Tag.

Das fühlt sich nach Rückschritt an und ist das Gegenteil. Er probiert die alte Strategie noch einmal mit mehr Nachdruck, weil sie gerade nicht mehr aufgeht. Genau an diesem Punkt geben die meisten auf, und genau dieser Moment entscheidet. Wer jetzt nachgibt, hat seinem Hund beigebracht, dass er einfach länger durchhalten muss.

Halt drei Tage durch. Danach geht die Kurve nach unten.

Das hier ist unsere Erfahrung, keine Verhaltensberatung für deinen Hund. Wenn du unsicher bist oder es nach sechs Wochen nicht besser wird, hol dir jemanden dazu, der euch beide live sieht.

Was nicht funktioniert: Methoden und Produkte


Die Methoden im Überblick

Methode

Wofür

Unser Urteil

Ruhe markieren und belohnen

Aufbau von Gelassenheit

sehr gut

Alternativverhalten aufbauen

Klingel, Fenster, Besuch

sehr gut

Aufmerksamkeits-Bellen ignorieren

genau dafür

sehr gut

Gegenkonditionierung, Reiz wird zu etwas Gutem

Klingel, Besuch

sehr gut

Desensibilisierung in kleinen Dosen

Geräusche, Unsicherheit

gut, braucht Geduld

Abbruchsignal

als Ergänzung, nie als Ersatz

gut

Schimpfen, Anschreien

nichts

schlecht

Wasserspritze, Rasseldose

nichts

sehr schlecht

Teletakt, Stromreizhalsband

nichts

verboten

Zur letzten Zeile: Der Einsatz solcher Geräte in der Hundeerziehung fällt unter § 3 Satz 1 Nr. 11 Tierschutzgesetz und ist damit verboten. Die im Gesetz genannten Ausnahmen ergeben sich aus anderen Rechtsvorschriften und decken die Alltagserziehung nicht ab.


Die Produkte


Werbung: Die folgenden Links sind Affiliate-Links. Wenn du darüber bestellst, bekommen wir eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts. Wir verlinken nur, was wir selbst nutzen.


Was helfen kann, und zwar indirekt:


  • Schnüffelteppich ist kein Anti-Bell-Produkt, sondern ein Anti-Langeweile-Produkt. Genau das reduziert Bellen aus Unterforderung.

  • Schleckmatte senkt das Erregungsniveau. Hilfreich bei Hunden, die schwer runterkommen.

  • Futterdummy beschäftigt beim Alleinsein.

  • Clicker für das genaue Timing in Woche 2 des Plans.


Was wir für fragwürdig halten: Ultraschallgeräte wirken bei manchen Hunden, bei anderen gar nicht, und trainieren nichts. Zitronenspray-Halsbänder sind unangenehm für den Hund, lösen die Ursache nicht und können bei sensiblen Rassen Angstverknüpfungen erzeugen.

Wovon wir klar abraten: Vibrations- und Stromreizhalsbänder, sowie Maulkörbe als Dauerlösung gegen Bellen.


Unser Fazit dazu: Die zwanzig Euro für eine Schleckmatte sind besser angelegt als hundert Euro für ein Anti-Bell-Halsband. Kein Gerät ersetzt die Frage, warum der Hund überhaupt bellt.


Wann du jemanden dazuholen solltest


Allein versuchen kannst du: normales Melde-Bellen, Aufmerksamkeits-Bellen, Langeweile-Bellen, die üblichen Pubertätsspitzen.


Einen Trainer dazuholen solltest du, wenn:


  • sich nach sechs Wochen konsequenter Arbeit nichts bewegt

  • das Bellen in Richtung aggressives Verhalten kippt

  • dein Hund beim Training Stresszeichen zeigt, also Zittern, Hecheln, Erstarren


Tierarzt und Verhaltensmedizin sind der richtige Weg bei:


  • Trennungsangst mit starkem Bellen und Jaulen

  • Angst-Bellen mit Flucht- oder Aggressionsanteil

  • plötzlicher Veränderung ohne erkennbaren Grund

  • Senioren mit möglicher kognitiver Einschränkung


Eine Einzelstunde bei einer zertifizierten Trainerin kostet in Deutschland meist 60 bis 120 Euro. Das ist oft die günstigere Lösung als ein halbes Jahr erfolglos selbst probieren.


Genetik oder Erziehung


Die ehrliche Antwort: beides.


Eine Untersuchung an über 14.000 Hunden aus 101 Rassen fand für die am stärksten vererbten Verhaltensmerkmale, dass Genetik 60 bis 70 Prozent der Unterschiede zwischen Rassen erklärt. Bellen war dabei kein eigenes Merkmal, die Größenordnung dürfte aber ähnlich liegen.


Wichtig ist, was diese Zahl bedeutet und was nicht. Sie beschreibt Unterschiede zwischen Rassen, also Chihuahua gegen Cavalier. Sie sagt nichts über deinen Havaneser im Vergleich zum Havaneser der Nachbarin.

Innerhalb einer Rasse entscheiden Aufzucht, Alltag und Erziehung. Und dort hast du Einfluss.


Praktisch heißt das zweierlei. Achte bei der Züchterwahl auf ruhige, wesensfeste Elterntiere und auf Welpen, die in den ersten acht Wochen an Alltagsgeräusche gewöhnt wurden. Und fang mit klarer, ruhiger Kommunikation am ersten Tag an, nicht erst, wenn es laut wird.


Bellen im Alter


Ab etwa acht bis zehn Jahren verändert sich das Bellverhalten bei manchen Hunden wieder. Mögliche Ursachen:


  • kognitive Dysfunktion, umgangssprachlich Hundedemenz, mit Desorientierung und nächtlichem Bellen

  • nachlassendes Gehör, dadurch Erschrecken bei Annäherung

  • nachlassendes Sehvermögen und daraus folgende Unsicherheit

  • chronische Schmerzen, etwa durch Arthrose oder Zahnprobleme

  • hormonelle Veränderungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion


Die Regel ist hier einfach und gilt ohne Ausnahme: Verändert sich das Bellverhalten eines älteren Hundes auffällig, gehört der Tierarztbesuch vor jedes Training. Ein Blutbild inklusive Schilddrüsenwerten ist der erste Schritt, nicht der letzte.


Fazit


Havaneser sind keine Kläffer. Sie sind Melder, und das steht sogar im Rassestandard.

Wenn dein Havaneser zu viel bellt, liegt es fast immer an einer Kombination aus zu wenig Ruhe, zu wenig Kopfarbeit, unklaren Strukturen oder ungewollt belohntem Verhalten. Alle vier lassen sich angehen, und der Plan weiter oben ist der Weg, den wir bei Fibi gegangen sind.

Zwei Dinge, die wir rückblickend anders gemacht hätten: Wir hätten früher aufgeschrieben, wann sie eigentlich bellt, statt zu raten. Und wir hätten sie in der Pubertät mehr schlafen lassen, statt sie zu beschäftigen.

Die alte Warnung „klein gleich Kläffer" stimmt für diese Rasse nicht. Sie stimmt nur dann, wenn niemand hinschaut.


Häufige Fragen


Sind Havaneser generell Kläffer?


Nein. Havaneser melden gern kurz bei Besuch und ungewohnten Geräuschen, neigen aber nicht zum Dauerbellen wie etwa Chihuahua, Pomeranian oder Zwergschnauzer. Der FCI-Rassestandard beschreibt sie ausdrücklich als leicht zum alarmgebenden Hund zu erziehen. Melden gehört also zur Rasse, Dauerkläffen nicht.


Ab welchem Alter bellt ein Havaneser-Welpe?


Erste Bell-Versuche beginnen meist zwischen der achten und zwölften Lebenswoche. Richtig lautstark wird es in der Regel erst ab dem sechsten bis neunten Monat, wenn der Hund in die Pubertät kommt.


Warum bellt mein Havaneser plötzlich mehr als früher?


Häufige Ursachen sind eine veränderte Lebenssituation, weniger Auslastung, mehr Stress im Alltag oder die Pubertät. Bei älteren Hunden kommen medizinische Gründe dazu. Ein plötzlicher, deutlicher Anstieg ohne erkennbaren Anlass gehört zum Tierarzt.


Kann ich meinem Havaneser das Bellen komplett abgewöhnen?


Komplett nicht, und das wäre auch nicht das Ziel. Bellen ist Kommunikation. Reduzieren und auf sinnvolle Situationen begrenzen geht dagegen gut. Bei Fibi war der Alltag nach etwa vier Wochen wieder ruhig.


Wie unterscheide ich Melden von Kläffen?


Melden dauert drei bis zehn Sekunden, hat einen klaren Auslöser und hört von selbst auf. Kläffen hält an, verselbstständigt sich und ist schwer zu unterbrechen. Melden ist normal, Kläffen ist ein Trainingsthema.


Bellen Havaneser viel, wenn sie allein sind?


Manche ja, manche gar nicht. Trennungsstress ist einer der häufigsten Auslöser. Die Lösung ist dann kein Anti-Bell-Training, sondern Alleinbleib-Training in kleinen Schritten.


Sind Havaneser trotz Bellen als Wohnungshunde geeignet?


Ja. Havaneser gehören zu den wohnungsverträglichsten Rassen überhaupt. Nachbarschaftsprobleme durch Bellen sind bei gut ausgelasteten Havanesern die Ausnahme.


Hilft ein Anti-Bell-Halsband beim Havaneser?


Wir raten klar ab. Ultraschall- und Zitronenspray-Halsbänder unterdrücken das Symptom und lösen keine Ursache. Stromreizhalsbänder fallen in der Hundeerziehung unter § 3 Satz 1 Nr. 11 Tierschutzgesetz und sind verboten.


Ist Schimpfen beim Bellen sinnvoll?


Nein. Für einen menschenbezogenen Havaneser ist Schimpfen Aufmerksamkeit, und Aufmerksamkeit festigt das Verhalten. Ruhig bleiben, Alternativverhalten einfordern, Ruhe deutlich loben.


Welchen Einfluss hat der Züchter?


Einen erheblichen. Wesensfeste, ruhige Elterntiere und eine Aufzucht mit Geräuschgewöhnung in den ersten acht Wochen machen einen messbaren Unterschied. Worauf du sonst noch achten solltest, steht in Havaneser Welpe kaufen.


Hilft ein Zweithund gegen das Bellen?


Selten. Ein bellfreudiger Hund bringt einem ruhigen eher das Bellen bei als umgekehrt. Einen Zweithund holt man aus eigenem Wunsch, nicht als Therapie für den ersten.


Passend dazu


Wenn dein Havaneser zu viel bellt



Auslastung und Erziehung



Wenn du die Rasse noch kennenlernst



Quellen



Zuletzt geprüft im August 2026. Dieser Beitrag beruht auf unserer Erfahrung mit Fibi und Krümel sowie auf den genannten Quellen. Er ersetzt keine individuelle Verhaltensberatung und keine tierärztliche Untersuchung. Bei anhaltenden Problemen oder Verdacht auf eine medizinische Ursache wende dich an deine Tierarztpraxis und an eine zertifizierte Hundetrainerin.


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