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Havaneser Fellpflege: Bürsten, Baden, Scheren –Komplett-Guide

,,Ein gepflegter Havaneser muss nicht zum Hundefriseur — wenn du weißt, was du tust."


Diesen Satz haben wir von Fibis Züchterin gehört, als wir sie mit 12 Wochen abgeholt haben. Dreieinhalb Jahre später können wir sagen: stimmt. Aber du brauchst einen klaren Plan.


Die Kurzantwort: Havaneser-Fellpflege auf einen Blick


Havaneser haben langes, seidiges Haar ohne Unterwolle — sie haaren kaum, neigen aber schnell zum Verfilzen.

Der Pflegeplan: 2–3× pro Woche bürsten, alle 4–6 Wochen baden, alle 8–12 Wochen Gesicht/Ohren/Pfoten nachschneiden (Körperschur optional), wöchentlich Augen, Ohren, Pfoten kontrollieren, täglich Zahnhygiene. Mit den richtigen Werkzeugen und einer festen Routine dauert die Grundpflege keine 15 Minuten pro Tag.



Inhaltsverzeichnis


Warum das Havaneser-Fell besonders ist


Der Havaneser zählt zur Gruppe der Bichons — zusammen mit Malteser, Bologneser, Löwchen und Coton de Tuléar. Alle teilen eine entscheidende Eigenschaft: ihr Fell besteht aus Einzelhaaren ohne Unterwolle, ähnlich wie Menschenhaar. Das hat Konsequenzen für die Pflege.


Was das konkret bedeutet:


Das Fell wächst kontinuierlich weiter, statt in Zyklen auszufallen. Dein Havaneser hat also keinen klassischen Fellwechsel im Frühjahr und Herbst und du wirst die Wohnung nicht voller Hundehaare finden.


Klingt traumhaft, hat aber einen Preis: Tote Haare bleiben im Fell hängen und verfilzen mit der Zeit, wenn du nicht regelmäßig bürstest. Verfilzungen sitzen gern direkt an der Haut, im Bereich hinter den Ohren, in den Achseln, an der Innenseite der Hinterbeine und im Schambereich.


Weil die Unterwolle fehlt, ist der Havaneser weniger kälteresistent als Rassen mit dichter Unterwolle (z. B. Spitz oder Husky). Im Winter braucht er bei Minusgraden und feuchtem Wetter oft einen Mantel. Dafür heizt sich das Fell im Sommer auch nicht so stark auf wie bei Unterwoll-Rassen, eine komplette Sommerschur ist deshalb selten sinnvoll. Dazu später mehr.


Havaneser-Fell im Vergleich


Rasse

Fellstruktur

Unterwolle

Haaren

Pflegeaufwand

Havaneser

Lang, seidig, gewellt

Keine

Minimal

Hoch (2–3×/Woche bürsten)

Malteser

Lang, glatt, glänzend

Keine

Minimal

Hoch

Goldendoodle

Lockig bis wellig

Wenig bis keine (F1b, F2)

Minimal

Sehr hoch

Labrador

Kurz, dicht

Ja

Stark

Niedrig

Australian Shepherd

Mittellang, dicht

Ja

Stark saisonal

Mittel

Hypoallergen?


Der Havaneser gilt als hundeallergiker-freundlich, weil er kaum Haare verliert. Aber: Allergien werden vor allem durch Proteine im Speichel, in der Hautschuppe und im Urin ausgelöst, nicht primär durch Haare. Rund 100 % aller Hunde produzieren diese Allergene. „Hypoallergen" ist also relativ, nicht absolut. Wer eine schwere Hundehaar-Allergie hat, sollte vor dem Welpenkauf unbedingt mehrere Termine beim Züchter verbringen.


Mehr Details dazu im separaten Artikel „Sind Havaneser für Allergiker geeignet?".


Der Fellpflege-Kalender: Täglich, wöchentlich, monatlich


Aufgabe

Frequenz

Zeitaufwand

Augenbereich säubern

Täglich

1 Min.

Zähne putzen oder Dental-Snack

Täglich

2 Min.

Pfotenballen prüfen (Schnee, Streusalz, Fremdkörper)

Täglich im Winter

1 Min.

Bürsten (Komplett)

2–3× pro Woche

10–15 Min.

Ohren kontrollieren (Rötung, Geruch)

Wöchentlich

2 Min.

Krallen prüfen (Länge)

Wöchentlich

1 Min.

Ohren reinigen

Alle 2–4 Wochen, je nach Typ

5 Min.

Baden

Alle 4–6 Wochen

30 Min.

Krallen schneiden/feilen

Alle 3–6 Wochen

5 Min.

Gesicht, Ohren, Pfoten nachschneiden

Alle 8–12 Wochen

20–30 Min.

Analdrüsen kontrollieren (selten entleeren)

Monatlich sichten, TA bei Bedarf

Zahnarzt-Check (Zahnstein)

Jährlich

beim TA

Klingt viel — summiert sich aber auf durchschnittlich 10–15 Minuten pro Tag, wenn du eine feste Routine etablierst.


Bürsten — die Grundlage von allem


Bürsten ist die wichtigste Einzelaufgabe in der Havaneser-Fellpflege. Wer regelmäßig und richtig bürstet, hat kaum Verfilzungen und braucht selten zum Hundefriseur.


Wie oft?


  • Welpe (bis 6 Monate): 5–10 Minuten täglich, damit er sich an die Prozedur gewöhnt. Der Fokus liegt nicht auf Ergebnis, sondern auf Routine und positiver Verknüpfung. Leckerli griffbereit halten.


  • Junghund (6–12 Monate): Im Fellwechsel vom Welpen- zum Erwachsenenfell (etwa 8.–12. Lebensmonat) täglich— in dieser Phase verfilzt es extrem schnell.

  • Erwachsener Havaneser: 2–3× pro Woche jeweils 10–15 Minuten gründlich.


Die richtige Ausrüstung


Viele unterschiedliche Bürstentypen sehen im Fachhandel nach „brauche ich alle drei" aus. Tatsächlich reichen drei Werkzeuge, um 95 % aller Situationen zu meistern:


  1. Zupfbürste (Slicker Brush) mit abgewinkelten, leicht federnden Metallstiften. Das ist dein Arbeitstier für die wöchentliche Pflege. Wichtig: nicht zu hart aufdrücken, sonst gibt es den gefürchteten „Bürsten-Brand" auf der Haut. Empfehlung: Slickerbürste*

  2. Metallkamm mit grob-fein-Seiten. Nach dem Bürsten gehst du mit dem Kamm durch, um verbleibende Knoten zu finden und die Haut zu erreichen. Der Kamm ist der ehrliche Test: Wenn du mit dem Kamm glatt durchkommst, bist du fertig. Empfehlung: BluePet-Kamm*.

  3. Entfilzungsmesser für hartnäckige Verfilzungen. Nur punktuell einsetzen, nicht als Alltagswerkzeug. Empfehlung: Entfilzungsmesser*.


Optional für lange Haare an Ohren, Schwanz und Hängeohren: ein Pin Brush* (weiche Naturborsten oder lange Metallstifte mit Kunststoffkugel-Enden). Verteilt die natürlichen Hautöle im Fell und ist schonender als die Zupfbürste.


Die richtige Technik — Schritt für Schritt


  1. Linie für Linie arbeiten. Teile das Fell in horizontale Streifen. Fang am Bauch an, arbeite dich nach oben. Hebe jeweils eine Haarpartie mit einer Hand an und bürste die darunter liegende Schicht komplett durch, bis zur Haut.

  2. Mit dem Haarwuchs UND gegen ihn. Erst mit dem Wuchs bürsten (löst lose Haare), dann leicht dagegen (holt Knoten aus der Tiefe hoch).

  3. Knoten NICHT wegreißen. Halte den Knoten mit einer Hand an der Haut fest und zupfe mit der anderen Hand die Haare Stück für Stück heraus — so tut es dem Hund nicht weh. Bei großen Verfilzungen: Mat-Splitter nutzen oder die Verfilzung in kleinere Stücke schneiden (Schere flach halten, Richtung Haarspitze), dann ausbürsten.

  4. Problemzonen immer prüfen. Hinter den Ohren, Achseln, Leisten, zwischen den Hinterbeinen, an den Pfoten, am Halsband-Bereich. Dort bilden sich Verfilzungen zuerst.

  5. Ende mit dem Kamm. Der Kamm muss glatt durchgehen — auf dem gesamten Körper, auf beiden Seiten. Wenn er irgendwo hakt, ist dort noch ein Knoten.


Häufige Bürst-Fehler


  • Nur oberflächlich bürsten. Die Zupfbürste gleitet über das lange Deckfell, aber die Verfilzungen sitzen an der Haut. Ergebnis: scheinbar glattes Fell, dicht darunter ein Filz. Immer bis zur Haut arbeiten.

  • Am trockenen, filzigen Fell mit Gewalt ziehen. Tut weh, macht negative Verknüpfungen. Lösung: Vor dem Bürsten ein leichtes Entfilzungs-Spray* einsprühen.

  • Zu selten bürsten und dann „mal richtig". Besser 3× 10 Minuten als 1× 30 Minuten.

  • Mit der Zupfbürste auf die nackte Haut drücken. Gibt Kratzer und roten Hautausschlag. Nur so fest aufdrücken, dass die Stifte knapp die Haut berühren.


In diesem Video siehst du mehr:



Baden — richtig, nicht zu oft


Viele Hundehalter baden zu häufig. Zu häufiges Baden entfernt die natürlichen Hautöle, und die Haut wird trocken, schuppig, gereizt. Gerade beim Havaneser mit seiner empfindlichen Haut ist das ein Thema.


Wie oft baden?


Alle 4–6 Wochen ist für die meisten Havaneser ideal. Ausnahmen:


  • Nach dem Matschspaziergang: Dreck mit lauwarmem Wasser abduschen, aber OHNE Shampoo, danach abtrocknen und föhnen.

  • Vor dem Scheren (oder vor dem Termin beim Hundefriseur): Sauberes, getrocknetes Fell schneidet sich wesentlich besser.

  • Bei hellfarbigen Havanesern mit Tränenflecken: Gesicht kann separat 2× pro Woche mit warmem Wasser oder mildem Augenreiniger gesäubert werden, ohne den ganzen Hund zu baden. Details im Tränenflecken-Artikel


Das richtige Shampoo


Der pH-Wert macht den Unterschied. Menschenhaut liegt bei pH 5,5 — Hundehaut bei pH 6,5 bis 7,5, also etwas basischer. Menschen-Shampoo (auch mildes Baby-Shampoo) ist deshalb nicht geeignet. Die falsche pH-Einstellung kann die Hautbarriere dauerhaft schädigen.


Shampoo-Typ

Wann einsetzen

Empfehlung

Mildes Alltags-Shampoo

Regelmäßiges Baden

Weiß-Shampoo

Helle Havaneser mit Gilb

Hypoallergen

Empfindliche Haut, Allergien

Medizinisch

Schuppen, Hefepilze (TA!)

Malaseb (nur auf TA-Empfehlung)

Trockenshampoo

Zwischendurch, kein Wasser

Conditioner/Spülung

Immer nach dem Shampoo

Conditioner ist beim Havaneser fast Pflicht. Er legt sich wie ein Schutzfilm um das Haar, erleichtert das Ausbürsten und reduziert Verfilzungen bis zum nächsten Bad deutlich.


Die Technik — von vorn bis hinten


  1. Vor dem Bad komplett durchbürsten. Nasse Verfilzungen ziehen sich zusammen und werden dreimal so schwer zu lösen. Kämm- oder Bürst-Durchgang immer VOR dem Bad.

  2. Wattebäusche in die Ohren. Nicht zu tief — nur den äußeren Gehörgang verschließen. Wasser im Ohr = Entzündungsrisiko.

  3. Wassertemperatur lauwarm (32–36 °C). Teste mit dem Handrücken, wie beim Babybadewasser.

  4. Shampoo in der Hand vorverdünnen (ca. 1:1 mit warmem Wasser), dann einmassieren. So kommst du mit weniger Menge aus und verteilst besser.

  5. Kopf und Gesicht zuletzt, mit Waschlappen oder ganz vorsichtig. Shampoo niemals in die Augen.

  6. Gründlich ausspülen. Shampoo-Reste trocknen die Haut aus. Faustregel: So lange spülen, bis du meinst, fertig zu sein — und dann nochmal doppelt so lange.

  7. Conditioner einmassieren, 2 Minuten einwirken lassen, ausspülen.

  8. Abtrocknen: Erst mit einem saugfähigen Mikrofaser-Handtuch* das meiste Wasser aufnehmen. Nicht rubbeln, das filzt. Stattdessen das Fell zwischen den Händen pressen.

  9. Föhnen ist Pflicht beim Havaneser. Lufttrocknen führt zu Knoten und Verfilzung, weil das Fell in sich zusammenfällt und trocknet wie es gerade liegt. Ein normaler Haartrockner reicht — aber nicht zu heiß. Profi-Alternative: Hundetrockner mit Kaltstufe*. Während des Föhnens gleichzeitig mit der Zupfbürste in Gegenrichtung durchbürsten — so wird das Fell schön voluminös.


Tipp für Badefrüchte: Eine Schleckmatte mit Erdnussbutter oder Leberwurst* an die Wanne kleben. Das lenkt den Hund ab und macht aus einer Prozedur einen Genussmoment.


In diesem Video wurde Fibi das erste Mal gebadet:



Scheren — Überblick & wann es Sinn macht


Scheren ist das emotionalste Thema in der Havaneser-Community. „Sommerschur ja oder nein", „wie kurz ist okay", „dünnt man den Havaneser aus" — dazu gibt es mehr Meinungen als Halter. Die kurze Fassung:


Komplette Körperschur: optional.


Der Havaneser braucht sie aus gesundheitlicher Sicht nicht — sein Fell ohne Unterwolle isoliert gegen Hitze und Kälte. Eine Sommerschur ist eine Komfort- und Pflegefrage, keine Tierwohl-Frage. Wer wenig Zeit hat zum Bürsten, profitiert. Wer das typische Havaneser-Erscheinungsbild erhalten will, lässt das Fell lang.


Nachschneiden von Gesicht, Ohren, Pfoten: ja, regelmäßig.


Das ist keine Stil-Frage, sondern Pflege. Augenpartie freischneiden schützt vor Reizungen, Pfotenhaare kürzen verhindert Verfilzung zwischen den Ballen, Anal- und Genitalbereich trimmen ist aus hygienischen Gründen sinnvoll.


Die komplette Anleitung zum Scheren — Werkzeug, Schritt-für-Schritt, häufige Fehler, Fotos der verschiedenen Stile — findest du im ausführlichen Spezial-Artikel Darf man einen Havaneser scheren?


Augen & Tränenflecken


Hellfarbige Havaneser neigen zu Tränenflecken, den rötlich-braunen Verfärbungen im Augenwinkel. Ursache sind Porphyrine im Tränenfluss, die auf hellem Fell sichtbar werden. Bei Fibi war das ein Dauerthema, bis wir die Ursachen Schritt für Schritt durchgegangen sind.


Wöchentliche Augenpflege in 30 Sekunden:


  1. Wattepad mit lauwarmem Wasser oder mildem Augenreiniger* anfeuchten

  2. Vom Augeninnenwinkel nach außen wischen

  3. Trockenes Tuch zum Nachwischen

  4. Haare über dem Auge regelmäßig kürzen, damit sie nicht in die Augen fallen


Wenn Tränenflecken chronisch sind, reichen Wasser und Wattepad nicht. Dann sind Ursachen-Suche (Futter, Wasser, Allergien, Zahnwechsel, Tränenkanäle), Spezialreiniger und gegebenenfalls ein Tierarzt-Besuch nötig.


Den kompletten Tränenflecken-Guide mit den acht möglichen Ursachen und unseren Erfahrungen findest du hier: Tränenflecken beim Havaneser und Malteser — Ursachen und wie wir sie bei Fibi in den Griff bekommen haben


Ohren reinigen und zupfen


Havaneser haben Hängeohren mit starkem Haarwuchs im Gehörgang. Das schafft zwei Probleme: Die Luft zirkuliert schlecht (warm-feuchtes Klima = Nährboden für Hefen und Bakterien), und Haare im Gehörgang halten Ohrenschmalz fest. Beides erhöht das Risiko für Ohrenentzündungen (Otitis externa).


Tägliches Prüfen:


  • Riecht das Ohr neutral? (Süßlicher oder fauliger Geruch = Warnsignal)

  • Ist der Gehörgang rosa und sauber? (Rötung, bräunliche Krusten = Warnsignal)

  • Kratzt der Hund sich häufig am Ohr, schüttelt den Kopf? (Warnsignal)


Wöchentliche Ohrenreinigung:


  • Ein paar Tropfen milder Ohrreiniger* direkt in den Gehörgang tropfen

  • Ohrgrund 30 Sekunden massieren (du hörst ein „Schwabb"-Geräusch)

  • Hund den Kopf schütteln lassen

  • Überschüssige Flüssigkeit und gelöstes Sekret mit einem Wattepad aus der Ohrmuschel wischen

  • Niemals Wattestäbchen tief ins Ohr schieben — schiebt Material nur weiter rein und kann das Trommelfell verletzen


Zu zupfen oder nicht zu zupfen — die Haare im Gehörgang sind ein eigenes Thema, mit Pros und Contras. Manche Tierärzte empfehlen es ausdrücklich, andere raten ab. Die komplette Abwägung inklusive Anleitung findest du im Spezialartikel Havaneser Ohren zupfen — Ohrenpflege beim Havaneser. Dazu sagen wir auch etwas in diesem Video:



Pfoten & Krallen


Krallen


Gesunde Krallen hörst du nicht auf Fliesen klackern. Hörst du das Klackern, sind sie zu lang. Zu lange Krallen verändern die Fußstellung, belasten die Gelenke und können in Extremfällen ins Pfotenballen-Fleisch wachsen.


Frequenz: Alle 3–6 Wochen, abhängig davon, wie viel dein Hund auf harten Böden läuft (Asphalt schleift die Krallen ab — Waldhund braucht häufiger Schnitt).


Werkzeug-Optionen:


  • Krallenschere* — klassisch, günstig, schnell

  • Krallenschleifer*/Dremel — schleift statt schneidet, kein Splittern, weniger Risiko die Vene zu treffen, dafür Gewöhnung nötig


Technik:


  • Nur den hornigen Spitzenbereich kürzen. Die Vene (Quick) ist bei hellen Krallen rosa sichtbar — bei dunklen Krallen musst du vorsichtig in kleinen Schritten kürzen

  • Schneide in einem Winkel von 45°

  • Immer styptisches Puder* oder Maisstärke griffbereit haben — falls du die Vene triffst, stoppt es die Blutung sofort

  • Krallenschneiden nie als Strafe — direkt danach Jackpot-Leckerli. Bei Welpen von Anfang an üben: Pfote halten, Belohnung, Pfote halten, kurz drücken, Belohnung


Pfotenballen & Haare zwischen den Ballen


Die Haare zwischen den Pfotenballen des Havanesers wachsen kräftig. Werden sie zu lang, bilden sich Knötchen oder Filzklumpen, die beim Laufen drücken — der Hund „läuft auf Kieseln". Im Winter sammeln sich außerdem Schnee- und Streusalz-Kristalle darin, die in warmer Wohnung auftauen und die Haut reizen.


Alle 4–6 Wochen:


  • Haare zwischen den Ballen mit der Rundkopf-Pfotenschere kürzen

  • Kein rasierklingenkurzes Abrasieren — ca. auf Höhe der Ballen lassen, damit es natürlich aussieht und die Sohle geschützt bleibt

  • Überschüssige Haare, die über die Pfote hinausragen, einkürzen (Havaneser-Pfoten werden gern als „Pantoffel" geformt)


Pfotenballen pflegen: Im Winter mit Pfotenbalsam* oder reinem Kokosöl einreiben — schützt vor rissiger Haut. Im Sommer auf heißem Asphalt tastbaren Test machen: Wenn du 5 Sekunden mit der Hand nicht drauf bleiben kannst, ist es für die Pfote zu heiß.


Zähne putzen


Zahnstein und Parodontitis sind die häufigsten chronischen Erkrankungen beim erwachsenen Hund. Kleine Rassen wie der Havaneser sind überdurchschnittlich betroffen, weil ihr enges Gebiss schlecht selbstreinigend arbeitet. Eine professionelle Zahnreinigung unter Narkose kostet 300–600 €, ist belastend für den Hund und nicht risikofrei. Tägliche Prävention ist unschlagbar.


Das Gold-Standard-Regiment:


  • Tägliches Zähneputzen mit Hunde-Zahnbürste* und Hunde-Zahnpasta* (enzymhaltig, ohne Fluorid, in Hunde-Geschmack wie Huhn oder Rind). Menschen-Zahnpasta ist toxisch.

  • Technik: Zahnfleischrand in kreisenden Bewegungen, jeweils 20 Sekunden pro Gebissseite

  • Gewöhnung schrittweise: Erst nur Pasta am Finger ablecken lassen, dann Fingerkuppe an die Zähne, dann Fingerhut-Zahnbürste, dann volle Bürste


Wenn Zähneputzen partout nicht klappt:


  • Dental-Kauartikel* (VOHC-zertifiziert)

  • Täglicher knackiger Kausnack (Apfelstück, Karottenstück)


Wichtig: Kein Tennisball-Kauen (schmirgelt Zahnschmelz ab) und keine zu harten Kausachen (Geweihe, Hirschhörner, Büffelhornhäute können Zähne brechen).


Analdrüsen kontrollieren


Die beiden Analdrüsen sitzen links und rechts am Anus und produzieren ein stark riechendes Sekret, das normalerweise beim Kotabsatz mit entleert wird. Bei manchen Hunden — und bei kleinen Rassen wie dem Havaneser häufiger als im Durchschnitt — funktioniert diese Selbstentleerung nicht zuverlässig. Die Drüse füllt sich, entzündet sich und verursacht Juckreiz oder Schmerzen.


Typische Warnzeichen:


  • „Schlittenfahren" auf dem Hintern über den Teppich

  • Häufiges Belecken des Afters

  • Fauliger, metallischer Geruch rund um den Anus

  • Schmerzreaktion beim Kotabsatz


Was tun:


  • Bei gelegentlichem Schlittenfahren erstmal abwarten — kann auch harmlose Juckreiz-Ursachen haben (Wurmeier, Allergien)

  • Regelmäßig wiederkehrende Zeichen → Tierarzt, NICHT selbst ausdrücken. Falsch gemacht drückst du das Sekret in Richtung Bauch, nicht raus — das kann Abszesse verursachen

  • Langfristige Lösung: Ballaststoffreiche Fütterung (Karotten, Kürbis, Flohsamen), damit der Kot fester wird und die Drüsen beim Absatz mitentleert werden



Saisonale Pflege — Sommer vs. Winter


Sommer


  • Parasiten-Check täglich: Zecken absuchen, besonders Ohren, Achseln, Leisten, zwischen den Zehen. Gute Zeckenzange* griffbereit.

  • Sonnenschutz für dünn behaarte Stellen (Nase, Ohren-Innenseiten, Bauch bei geschorenen Hunden): Hunde-Sonnencreme* oder kurzzeitig reiner Zinkoxid-Stick

  • Asphalt-Test: 5-Sekunden-Handregel. Zu heiß → in die Wiese ausweichen oder früh morgens/spät abends Gassi gehen

  • Fell nicht zu kurz schneiden, falls du scheren lässt. Minimum 1–2 cm — das Fell schützt vor Sonnenbrand und hilft bei der Thermoregulation

  • Häufiger bürsten, weil loses Haar + Schweiß + Staub = Verfilzungs-Beschleuniger


Winter


  • Pfotenballen vor jedem Gassigang mit Pfotenbalsam oder Kokosöl einreiben — schützt vor rissiger Haut durch Streusalz

  • Nach jedem Gassigang Pfoten waschen oder zumindest mit lauwarmem Wasser abspülen (Streusalz, Splitt, Frostschutzmittel-Reste)

  • Hundemantel bei nassem Wetter und Minusgraden, vor allem bei geschorenen Hunden und Welpen/Senioren. Der Havaneser ohne Unterwolle friert schneller als man denkt. Details im Hundebekleidung-Artikel

  • Trockene Heizungsluft = schuppige Haut. Luftbefeuchter hilft dem Havaneser wie dem Menschen. Zusätzlich: Omega-3-Zufütterung (Lachsöl) stabilisiert Hautbarriere.

  • Schneeklumpen im Fell: Nach dem Spaziergang mit lauwarmem Wasser auftauen, nicht mit Fön. Hitze + nass = Filz-Garantie.


Welpe, Erwachsener, Senior — was ändert sich?


Welpe (bis ca. 6 Monate)


Die Pflege dient vor allem der Gewöhnung, nicht der Wirkung. Kurze Sessions (2–5 Minuten), positive Verknüpfung, Leckerli. Jede Prozedur einmal pro Woche üben: Bürsten, Ohren anheben, Pfote in die Hand nehmen, Maul öffnen, Zähne anfassen. Was der Welpe jetzt akzeptiert, bleibt ein Leben lang unkompliziert. Was er jetzt hasst, wird mit jedem Jahr schwieriger.


Junghund (6–12 Monate)


Fellwechsel. Das weiche Welpenfell wird vom deutlich festeren Erwachsenenfell abgelöst. In diesen 2–4 Monaten verfilzt es extrem schnell, weil das absterbende Welpenfell im neuen Fell hängenbleibt. Täglich bürsten ist in dieser Phase Pflicht. Viele Halter unterschätzen das und stehen plötzlich vor massiven Verfilzungen.


Erwachsener Hund (1–8 Jahre)


Routine ist etabliert. Alltag wie oben beschrieben.


Senior (8+ Jahre)


  • Arthrose und Gelenksteifigkeit: Pflege auf rutschfester Unterlage oder Grooming-Tisch, kurze Einheiten

  • Empfindlichere Haut: weichere Bürsten (Pin Brush statt Zupfbürste), besonders sanfte Shampoos

  • Zähne werden kritisch: jährlicher Tierarzt-Check wird wichtiger

  • Krallen wachsen schneller (weniger Bewegung = weniger natürliche Abnutzung): häufiger schneiden

  • Leiser, wärmer, ruhiger — viele Senioren vertragen kaltes Wasser schlecht


Die wichtigsten Werkzeuge auf einen Blick


Werkzeug

Priorität

Ungefährer Preis

Zupfbürste (Slicker)

Must-have

15–35 €

Metallkamm grob-fein

Must-have

20–30 €

Mildes Hundeshampoo

Must-have

10–25 €

Conditioner

Must-have

10–25 €

Ohrreiniger

Must-have

10–15 €

Krallenschere oder Dremel

Must-have

10–40 €

Pfoten-/Trimmschere

Fast-Must-have

15–40 €

Zahnbürste + Zahnpasta

Fast-Must-have

10 €

Entwirrungsspray

Nice-to-have

10–15 €

Hundetrockner mit Kaltstufe

Nice-to-have

50–150 €

Grooming-Tisch

Nice-to-have (ab Profi)

100–200 €

Schleckmatte

Nice-to-have

10 €

Pfotenbalsam

Nice-to-have (Winter)

10 €

Styptisches Blutstillpuder

Sicherheit

5 €

Komplett-Basisausstattung neu: rund 100–150 €. Entsprechende Affiliate-Links findest du in den jeweiligen Abschnitten oben.


5 häufige Fehler in der Havaneser-Fellpflege


  1. Erst reagieren, wenn es filzt. Wer sich sagt „nächste Woche bürste ich mal", steht nach drei Wochen vor einer Baustelle, die 90 Minuten braucht. Feste Termine (Mo–Mi–Fr morgens 10 Minuten) sind Gold wert.

  2. Nur oberflächlich bürsten. Siehe Kapitel „Bürsten" — immer bis zur Haut arbeiten, nicht über das Deckfell gleiten.

  3. Zu häufig baden. Jede Woche Bad → trockene, schuppige Haut. Alle 4–6 Wochen reichen.

  4. Menschen-Shampoo oder Baby-Shampoo. Falscher pH-Wert, schädigt die Hautbarriere.

  5. Pflege als negatives Ereignis. Wer bürsten und baden immer gestresst, schnell und ohne Belohnung durchzieht, erzieht seinen Hund zum Pflege-Gegner. Jede Session positive Verknüpfung bieten — Leckerli, Ruhe, Lob.


Fibis Pflege-Routine im Alltag


In diesem Video erzählen wir alles wichtige dazu:



FAQ — häufig gestellte Fragen


Wie oft muss ich einen Havaneser bürsten?


Einen erwachsenen Havaneser bürstest du 2–3 Mal pro Woche jeweils 10–15 Minuten gründlich. Welpen im Fellwechsel (ca. 8.–12. Lebensmonat) sogar täglich, weil das Welpenfell dann besonders stark verfilzt. Entscheidend ist, dass du bis zur Haut durchbürstest, nicht nur über das Deckfell gleitest.


Haart der Havaneser wirklich nicht?


Der Havaneser verliert extrem wenig Haar, weil seine Haare wie Menschenhaar kontinuierlich wachsen und nicht in Zyklen ausfallen. Tote Haare bleiben allerdings im Fell hängen — ohne regelmäßiges Bürsten entstehen genau dort Verfilzungen. Hundehaar-Allergiker reagieren meist weniger auf Havaneser, eine Garantie für Allergie-Verträglichkeit ist die Rasse aber nicht.


Wie oft darf ich meinen Havaneser baden?


Alle 4–6 Wochen ist für die meisten Havaneser ideal. Häufiger baden trocknet die Haut aus und entfernt wichtige Hautöle. Zwischenbäder nach Matschspaziergängen gern mit klarem Wasser, aber ohne Shampoo. Gesicht und Augenbereich können 1–2× pro Woche separat mit warmem Wasser gesäubert werden, ohne den ganzen Hund zu baden.


Welches Shampoo ist für einen Havaneser am besten?


Ein mildes, pH-neutrales Hundeshampoo (pH 6,5–7,5) ohne Parfüm und Sulfate. Für helle Havaneser lohnt sich zusätzlich ein Weiß-Shampoo, bei empfindlicher Haut ein hypoallergenes. Menschen-Shampoo und Baby-Shampoo sind nicht geeignet, weil sie für menschliche Haut mit pH 5,5 formuliert sind und die Hautbarriere des Hundes angreifen können.


Muss ein Havaneser regelmäßig zum Hundefriseur?


Nein, wenn du selbst regelmäßig bürstest und Gesicht, Ohren, Pfoten alle 8–12 Wochen nachschneidest. Viele Havaneser-Halter kommen komplett ohne professionellen Groomer aus. Ein Salonbesuch alle 3–6 Monate lohnt sich aber für die, die sich das komplette Körperschneiden nicht zutrauen oder wenig Zeit haben.


Darf ich meinen Havaneser im Sommer scheren?


Darfst du — musst du aber nicht. Weil dem Havaneser die isolierende Unterwolle fehlt, heizt sein Fell sich im Sommer nicht so extrem auf wie bei Unterwollrassen. Eine Sommerschur ist Komfort-, nicht Gesundheitsentscheidung. Wenn du scherst, lass mindestens 1–2 cm Fell stehen — kürzer bedeutet Sonnenbrand-Risiko. Details im Scheren-Artikel.


Was tun gegen Verfilzungen beim Havaneser?


Kleine Verfilzungen mit den Fingern auseinanderziehen, dann mit der Zupfbürste ausarbeiten. Mittlere Verfilzungen mit Entwirrungsspray einsprühen, 2 Minuten einwirken lassen, mit Mat-Splitter von der Verfilzung Richtung Haarspitze durchziehen, dann ausbürsten. Große Verfilzungen an der Haut lassen sich oft nur herausschneiden — dabei unbedingt die Schere flach und parallel zur Haut halten.


Wie oft Krallen schneiden beim Havaneser?


Alle 3–6 Wochen, abhängig davon, wie viel dein Hund auf harten Böden läuft. Ein klackerndes Geräusch auf Fliesen ist ein sicheres Zeichen, dass die Krallen zu lang sind. Ein Krallenschleifer (Dremel) ist für viele Havaneser angenehmer als die klassische Krallenschere — kein Splitter-Risiko, und die Vene lässt sich vorsichtiger respektieren.


Was kostet die komplette Fellpflege-Ausstattung?


Eine solide Grundausstattung mit Zupfbürste, Kamm, Shampoo, Conditioner, Ohrreiniger, Krallenschere und Zahnbürste liegt neu bei 100–150 €. Wer mit Hundetrockner, Grooming-Tisch und kompletter Scheren-Ausrüstung komplett ausgestattet sein will, landet bei 400–600 €. Vieles davon hält aber 10 Jahre und länger.


Wie gewöhne ich einen Havaneser-Welpen an die Fellpflege?


Ab dem ersten Tag kurze, positive Sessions. Jeden Tag 2–3 Minuten: Bürste streichen, Pfote in die Hand nehmen, Ohren anheben, Maul kurz öffnen — direkt danach Leckerli und Ruhe. Nicht auf Wirkung arbeiten, sondern auf Routine. Alle Pflegehandlungen vor dem sechsten Lebensmonat durchgespielt haben, dann bleibt es ein Leben lang entspannt.


Muss ich Haare im Gehörgang zupfen?


Die Meinungen gehen auseinander. Früher wurde es pauschal empfohlen, heute sagen viele Tierärzte: nur wenn nötig. Wenn dein Havaneser sehr viele Haare im Gehörgang hat, Ohrenentzündungen bekommt oder der Geruch auffällig wird — zupfen hilft. Hat er wenig Haar im Gehörgang und keine Probleme — lass es. Ausführliche Anleitung und Pro-Kontra-Liste findest du im Ohren-Spezialartikel.


Mein Havaneser hat dauerhaft Tränenflecken — was hilft?


Tränenflecken haben acht typische Ursachen: Genetik, Zahnwechsel, Haare im Auge, enge Tränenkanäle, hartes Wasser, Futter, Allergien, Bakterien/Hefepilze. Reine Kosmetik hilft wenig — die Ursache muss identifiziert werden. Häufig hilft schon gefiltertes Trinkwasser, das Kürzen der Augenhaare und ein Probiotikum im Futter. Den kompletten Ursachen-Check findest du im Tränenflecken-Artikel.


Föhnen oder lufttrocknen nach dem Baden?


Föhnen — fast immer. Beim Lufttrocknen fällt das Fell in sich zusammen und trocknet mit allen Verwirbelungen ein, die beim Handtuch-Trocknen entstanden sind. Ergebnis: viele kleine Knötchen am nächsten Tag. Mit dem Fön auf mittlerer Temperaturstufe und gleichzeitigem Bürsten bekommst du hingegen ein glattes, voluminöses Fell, das sich eine Woche länger gut anfühlt.


Fazit


Havaneser-Fellpflege ist weder ein Hexenwerk noch eine tägliche Stunden-Arbeit — sie ist eine Frage der Routine und der richtigen Werkzeuge. Wer 2–3 Mal pro Woche 10–15 Minuten bürstet, alle 4–6 Wochen badet und die kleinen wöchentlichen Aufgaben (Ohren, Augen, Pfoten kontrollieren) in den Alltag integriert, kommt jahrelang ohne Probleme und ohne Hundefriseur aus.


Der größte Hebel ist nicht das beste Shampoo oder die teuerste Bürste — es ist Konsequenz und positive Gewöhnung beim Welpen.


Wenn du irgendwo unsicher bist, lies dir unsere Spezialartikel zum Scheren, zu Tränenflecken oder zum Ohrenzupfen durch — dort gehen wir jeweils tief ins Detail.

Und wenn dein Havaneser die Pflege hasst? Das ist in 90 % der Fälle kein


Charakterproblem, sondern ein Konditionierungsproblem — lässt sich mit Geduld, Leckerli und Mikroschritten fast immer umkehren.


Affiliate-Hinweis: Die mit * gekennzeichneten Links sind Partner-Links zu Amazon. Kaufst du darüber, bekomme ich eine kleine Provision — für dich ändert sich am Preis nichts. Wir empfehlen nur Produkte, die wir selbst nutzen oder die uns Fibis Züchterin, unsere Tierärztin oder Hundefriseur-Profis empfohlen haben.

Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Haut-, Fell-, Ohren- oder Zahnproblemen bitte den Tierarzt aufsuchen.




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